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Wahlanalyse Mecklenburg-Vorpommern

Sellering sichert SPD-Wahlsieg
AfD profitiert von Flüchtlingsthema und Statusängsten

(Mannheim, 05.09.2016) Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern haben alle im Landtag vertretenen Parteien Verluste, stärkste Partei bleibt mit einem Ergebnis von 30,6 Prozent (minus 5,0 Prozentpunkte) wie immer seit 1998 die SPD. Die CDU fällt mit 19,0 Prozent (minus 4,0) genau wie die Linke mit 13,2 Prozent (minus 5,2) auf ihr jeweils schwächstes Ergebnis in diesem Bundesland. Die Grünen verfehlen mit 4,8 Prozent (minus 3,9) knapp den Wiedereinzug in den Schweriner Landtag, NPD (3,0 Prozent; minus 3,0) und FDP (3,0 Prozent; plus 0,2) scheitern klar an der Fünf-Prozent-Hürde. Die AfD erzielt bei der neunten Landtagswahl in Folge Mandate, wird dabei zum zweiten Mal auf dieser Parlamentsebene zweitstärkste Kraft und überholt mit einem Ergebnis von 20,8 Prozent erstmals die CDU. Alle sonstigen Parteien erreichen unverändert 5,6 Prozent, die Wahlbeteiligung beträgt nach einem sehr deutlichen Anstieg 61,6 Prozent (plus 10,1).
Dass die SPD stärkste Kraft bleibt, verdankt sie hohem Vor-Ort-Ansehen, guter Regierungsarbeit, Sachkompetenz und allen voran Erwin Sellering: Mit bester Reputation (+5/-5-Skala: 2,4; 2011: 2,5) und überzeugenden Leistungen (gute Arbeit: 78 Prozent) entpuppt sich der Ministerpräsident als nahezu optimaler Spitzenkandidat. 67 Prozent aller Befragten wollen Sellering als Regierungschef und nur 18 Prozent CDU-Herausforderer Lorenz Caffier, der auch beim Image (1,2; 2011: 1,0) und im Eigenschaftsvergleich chancenlos bleibt.
Neben Kandidaten-Plus und einem hervorragenden Ansehen als Landespartei bekommt die SPD für ihre Arbeit in der rot-schwarzen Koalition sichtbar bessere Noten als die CDU (+5/-5-Skala: 1,8 bzw. 1,1), Linke und Grüne (0,4 bzw. 0,1) konnten in der Opposition nicht überzeugen. Und während die ökonomische Lage im Land positiver beschrieben wird als 2011, setzen bei Wirtschaft und Arbeitsmarkt deutlich mehr Befragte auf SPD- als auf CDU-Politik (Wirtschaft: 36 bzw. 19 Prozent; neue Jobs: 33 bzw. 21 Prozent). Bei Sozialer Gerechtigkeit sowie der Politik für die einfachen Bürger, wo ebenfalls die SPD führt, fällt die CDU sogar klar hinter die Linke zurück.
Wenn es um Flüchtlinge und Asyl geht – anders als im Bund oder bei den Landtagswahlen im März hinter den Jobs jetzt nur zweitwichtigstes Thema – kommen SPD, CDU und Linke auf 25, 18 bzw. neun Prozent. Die AfD hat hier für 17 Prozent die besten Konzepte, bleibt bei den Parteikompetenzen ansonsten aber wie gewohnt sehr schwach und gilt auch perspektivisch nicht als gewinnbringende Alternative: Könnte die AfD nach der Wahl mitbestimmen, würde sie für nur 14 Prozent bessere, aber für 59 Prozent aller Wahlberechtigten schlechtere Politik machen als die anderen Parteien (kein Unterschied: 17 Prozent).
Für ihre eigenen Wähler ist die AfD vor allem „die einzige Partei, die die wichtigen Probleme beim Namen nennt“ (90 Prozent; alle Befragte: 33 Prozent), wobei auch Wahlmotive, Problemempfinden und Statusdenken stark abweichen: Bei einer ansonsten eher landespolitisch geprägten Wahl war für 60 Prozent der AfD-Wähler (alle Befragte: 38 Prozent) die Bundespolitik wichtiger, wo Bundesregierung und Kanzlerin extrem kritisch gesehen werden und 90 Prozent (alle Befragte: 51 Prozent) Merkels Flüchtlingspolitik ablehnen.
Während 90 Prozent der AfD-Wähler wegen der Flüchtlinge steigende Kriminalität befürchten und für 64 Prozent ihr Bundesland die Flüchtlinge „nicht verkraften“ kann (alle Befragte: 56 bzw. 32 Prozent), konstatieren sie parallel ökonomische und soziale Ungleichheit: Für 41 Prozent aller Befragten, aber für 60 Prozent der AfD-Wähler – von denen sich relativ viele im Leben benachteiligt fühlen – haben „hier nur die wenigsten richtig von der Wende profitiert“.
Gewählt wird die AfD von 16 Prozent der Frauen, aber von 25 Prozent der Männer, bei männlichen Wählern mittleren Alters wird sie sogar stärkste Partei (30- bis 44-jährige bzw. 35-bis 59-jährige Männer 27 bzw. 30 Prozent). Bei allen ab 60-Jährigen liegt die AfD – wie bisher immer bei Wahlen in Flächenländern – unter dem Schnitt, die SPD ist dagegen in der Generation 60plus mit 39 Prozent weit überproportional stark und bei unter 45-jährigen Wählern auffällig schwach.
Die CDU liegt bei allen ab 30-jährigen Wählern nahe an ihrem Gesamtresultat, unter Wählern ohne Job kommt sie auf lediglich acht Prozent, SPD und Linke erreichen in dieser Gruppe 21 bzw. 19 Prozent und die AfD 26 Prozent. Unter Arbeitern haben SPD, CDU und Linke starke Verluste, die AfD kommt hier auf 27 Prozent, unter Angestellten und Beamten liegt der Zuspruch zur „Alternative“ leicht unter dem Schnitt.
Was schließlich die nächste Regierung betrifft, fänden 51 Prozent aller Befragten eine rot-schwarze Neuauflage gut und 28 Prozent schlecht (egal: 19 Prozent). Rot-Rot bewerten nur 37 positiv und 42 Prozent negativ (egal: 18 Prozent).

Informationen zu den Umfragen

Die Zahlen basieren auf einer telefonischen Befragung der Forschungsgruppe Wahlen unter 1.520 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten in Mecklenburg-Vorpommern in der Woche vor der Wahl und auf der Befragung von 14.559 Wählern am Wahltag.
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Seite zuletzt geändert am 05.09.2016 um 13:00 Uhr

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