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Wahlanalyse Nordrhein-Westfalen

Rot-Grün in NRW abgewählt

(Mannheim, 15.05.2017) Bei der Landtagswahl in NRW fällt die SPD mit 31,2 Prozent (-7,9) auf ihr schlechtestes Ergebnis in diesem Bundesland, die Grünen haben heftige Verluste und erzielen nur noch 6,4 Prozent (minus 5,0). Die CDU kann sich nach ihrem Allzeit-Tief im Jahr 2012 sehr deutlich um 6,6 Prozentpunkte verbessern und wird mit 33,0 Prozent stärkste Partei. Ihr bestes NRW-Ergebnis sowie ihr bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl nach 2009 kann die FDP mit jetzt 12,6 Prozent (plus 4,0) verbuchen, die Piraten stürzen ab auf 1,0 Prozent (minus 6,9), die Linke scheitert mit 4,9 Prozent (plus 2,4) knapp an der Fünf-Prozent-Hürde, die AfD erzielt mit 7,4 Prozent wie bei allen Landtagswahlen nach 2013 nun auch in NRW Mandate, alle sonstigen Parteien erreichen zusammen 3,7 Prozent (minus 0,6). Wie bei den anderen sieben Landtagswahlen der letzten 14 Monate setzt sich der Trend steigender Wahlbeteiligung nun auch in NRW fort: 65,2 Prozent (plus 5,6) haben sich am 14. Mai 2017 an der Landtagswahl beteiligt – so viele wie seit über zwei Jahrzehnten nicht mehr im bevölkerungsreichsten Bundesland.
Für die CDU bedeutet das Ergebnis zunächst auch eine Normalisierung: Nach massiven Verlusten bei den beiden letzten NRW-Wahlen gelingt ihr der Rückgewinn von Sachkompetenz und viel Reputation. Zudem profitiert die CDU von bundespolitischer Unterstützung und Defiziten beim politischen Gegner: Beim Ansehen zwar weiter positiv, schaffen weder die NRW-SPD noch die Ministerpräsidentin ihr hohes 2012er Niveau und bei viel Kritik speziell an den Grünen führt die schlechte rot-grüne Regierungsbilanz zu einer klassischen Abwahlstimmung.
So wird die gemeinsame Arbeit von SPD und Grünen auf der +5/-5-Skala nur noch mit 0,4 (2012: 1,2) bewertet, wobei die Befragten klar zwischen SPD (0,8; 2012: 1,4) und Grünen (minus 0,2; 2012: 0,9) differenzieren. Mit ihren Leistungen in der Opposition empfehlen sich CDU (0,9; 2012: 0,4) und FDP (0,5; 2012: minus 1,0) allerdings nur bedingt als Alternative.
Doch sachpolitisch wird der CDU neben dem Top-Thema Bildung auch in den anderen NRW-Problemfeldern Verkehr, Flüchtlinge, Arbeitsmarkt oder Kriminalität mehr zugetraut als der SPD, die nun auch wirtschaftspolitisch hinter die CDU zurückfällt: Zum Ende der Legislaturperiode gilt Nordrhein-Westfalen mit Blick auf die anderen West-Bundesländer ökonomisch als eher schlecht aufgestellt und nur noch 46 Prozent (2012: 56 Prozent) sehen das Land gut für die Zukunft gerüstet.
Die persönliche Bilanz von Hannelore Kraft ist im Ministerpräsidenten-Vergleich inzwischen unteres Mittelmaß (gute Arbeit: 64 Prozent; 2012: 75 Prozent). Dennoch bevorzugen 49 Prozent die Amtsinhaberin und nur 36 Prozent Armin Laschet als zukünftige/n Regierungschef/in: Mit Defiziten bei „Glaubwürdigkeit“ und „Sachverstand“ gilt Kraft gegenüber Laschet als eindeutig sympathischer und beim Ansehen auf der +5/-5-Skala liegt Kraft trotz massiv gesunkener Werte mit 1,4 (2012: 2,3) vor Laschet (1,1).
Noch weitaus stärkere Imageverluste als Hannelore Kraft hat Sylvia Löhrmann (minus 0,5; 2012: 0,9), die von gesunkenem Parteiansehen der NRW-Grünen und kaum noch Kompetenzen im Bildungsbereich flankiert werden. FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner (1,4; 2012: 0,4) verbessert sich klar und der NRW-FDP gelingt mit vergleichsweise viel Politikvertrauen bei „Bildung“, „Finanzen“ und „Jobs“ eine Rehabilitation beim Ansehen als Landespartei, das im Gegensatz zu SPD, CDU und Grünen in NRW besser ausfällt als das Image der Bundespartei.
Was die Kanzlerkandidaten im Bund betrifft, genießt Angela Merkel (2,1) in NRW ein deutlich höheres Ansehen als Martin Schulz (1,0). Dass Merkel bzw. Schulz für ihre jeweilige Partei in NRW hilfreich waren, glauben 56 bzw. 31 Prozent (hat geschadet: 12 bzw. 14 Prozent; weder noch: 29 bzw. 49 Prozent). Ähnlich wie 2012 war für 36 Prozent der Wähler nun die Bundespolitik wichtiger, aber für 58 Prozent NRW, wo der Ausgang der Landtagswahl – das meinen 73 Prozent – „noch lange nichts über den Ausgang der Bundestagswahl aussagt“.
Substanzielle Stütze des CDU-Wahlsieges sind einmal mehr die älteren Wähler: Bei den ab 60-Jährigen ist die CDU mit 40 Prozent überproportional stark, bei allen unter 60-Jährigen liegt sie mit 29 Prozent auf einem Niveau mit der SPD, die hier ebenfalls 29 Prozent erreicht. Unter Arbeitern und Gewerkschaftsmitgliedern bleibt die SPD mit 38 bzw. 42 Prozent stärkste Kraft, unter Beamten bricht die SPD dagegen auf 27 Prozent (minus 13) ein. Die CDU erzielt in dieser Berufsgruppe mit einem massiven Plus 42 Prozent (plus 15), in großen Städten bleibt der Wahlsieger relativ schwach.
Die Grünen haben bei allen unter 60-Jährigen große Verluste, bei den ab 60-Jährigen schaffen sie nur noch drei Prozent. Mit 13 Prozent ist die FDP hier gut viermal so stark, wobei die Liberalen auch in allen anderen Altersgruppen zweistellig abschneiden. Die AfD ist nach typischen Mustern bei Männern mittleren Alters stark und wird besonders häufig von Bürgern gewählt, die sich im Leben benachteiligt fühlen.
Die prinzipiell denkbaren Koalitionsoptionen stoßen bei den Bürgern auf wenig Gegenliebe. Während Schwarz-Gelb stark polarisiert (gut: 39 Prozent; schlecht: 42 Prozent), fänden eine schwarz-gelb-grüne „Jamaika-Koalition“ nur 29 Prozent gut und lediglich 25 Prozent eine „Ampel“ aus SPD, FDP und Grünen (schlecht: 48 bzw. 54 Prozent). Konträr zum Bund fehlt auch einer großen Koalition aus CDU und SPD Zustimmung, die in NRW 36 Prozent gut heißen würden (schlecht: 42 Prozent).

Informationen zu den Umfragen

Die Zahlen basieren auf einer telefonischen Befragung der Forschungsgruppe Wahlen unter 1.498 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten in Nordrhein-Westfalen in der Woche vor der Wahl und auf der Befragung von 20.099 Wählern am Wahltag.
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Seite zuletzt geändert am 15.05.2017 um 13:04 Uhr

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