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Wahlanalyse Schleswig-Holstein

CDU-Wahlsieg in Schleswig-Holstein
FDP und Grüne zweistellig

(Mannheim, 08.05.2017) Bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein legt die CDU leicht zu und wird mit 32,0 Prozent (plus 1,2 Prozentpunkte) klar stärkste Partei. Die SPD verliert und rutscht mit 27,2 Prozent (minus 3,2) auf ihr zweitschwächstes Ergebnis in diesem Bundesland. Grüne (12,9 Prozent; minus 0,3) und FDP (11,5 Prozent; plus 3,3) schaffen dagegen beide ihr zweitbestes Schleswig-Holstein-Resultat, die Piraten brechen massiv ein (1,2 Prozent; minus 7,0), der SSW – als Partei der dänischen Minderheit von der Fünf-Prozent-Klausel befreit – kommt auf 3,3 Prozent (minus 1,3). Die AfD erzielt mit 5,9 Prozent bei der zwölften Landtagswahl infolge Mandate, wogegen die Linke mit jetzt 3,8 Prozent (plus 1,5) im Norden erneut scheitert. Alle sonstigen Parteien erzielen zusammen 2,3 Prozent (minus 0,1). Nach einem Plus von 4,0 Prozentpunkten steigt die Wahlbeteiligung bei der siebten Landtagswahl infolge und erreicht in Schleswig-Holstein 64,2 Prozent.
Getragen von besonders viel Unterstützung aus der älteren Generation sind zentrale Gründe für den CDU-Wahlsieg ihr Parteiansehen, viel Politikvertrauen, die politische Arbeit und das positive Image von Spitzenkandidat Daniel Günther. Die SPD, bei der Reputation als Landespartei mit der CDU praktisch auf einem Niveau, lieferte eine durchwachsene Regierungsbilanz und hatte mit Torsten Albig einen nur bedingt überzeugenden Kandidaten im Rennen.
Zwar wollen 44 Prozent aller Befragen Torsten Albig und 36 Prozent Daniel Günther als nächsten Ministerpräsidenten (keinen davon/weiß nicht: 20 Prozent). Beim Ansehen liegt Günther (+5/-5-Skala: 1,7) aber knapp vor Albig, nachdem der Regierungschef jetzt weniger gut (1,6; 2012: 2,2) bewertet wird, bei den Profileigenschaften auffällig schwach bleibt und ihm nur 59 Prozent im Amt gute Arbeit bescheinigen – eine im Ministerpräsidenten-Vergleich magere Leistungsbilanz.
Für die Bundeskanzlerin gab es gut vier Monate vor der Bundestagswahl sehr gute und für die Bundesregierung gute Noten. Kanzlerkandidat Martin Schulz verschaffte der SPD kaum zusätzlichen Auftrieb, wobei den meisten Wählern bei dieser Landtagswahl die Politik in ihrem Land wichtiger war und Schleswig-Holstein mit eigenen Koalitionen, Personen und Themen umgekehrt auch kaum Rückschlüsse auf den Bund erlaubt.
So regiert in Schleswig-Holstein ein Drei-Parteien-Unikat aus SPD, Grünen und SSW, dessen gemeinsame Arbeit mit 1,0 auf der +5/-5-Skala deutlich besser als die der schwarz-gelben Vorgängerregierung (2012: 0,3) bewertet wird. Im Länder-Vergleich ist die „Küsten-Koalition“ aber nur Mittelmaß und liefert keinen echten Mehrwert zur aktuellen Arbeit von CDU (1,0) und FDP (0,9) in der Opposition, wo die CDU mit viel Kompetenzen punktet: Bei den wichtigsten Themen, Bildung und Schule sowie Verkehr, wird ihr sichtbar mehr zugetraut als der SPD. Zudem fällt die SPD in einem Bundesland, in dem die ökonomische Situation nur reserviert positiv gesehen wird, neben der Bildungspolitik nun auch bei „Wirtschaft“ und „neuen Jobs“ klar hinter die CDU zurück.
Die Energiepolitik, im Norden ebenfalls Thema, bleibt unangefochten Domäne der Grünen, die in Schleswig-Holstein allerdings auch für 53 Prozent der Befragten „für eine andere Politik als die Grünen im Bund“ stehen. Gleichzeitig genießen die Grünen genau wie die FDP im Land mehr Reputation als ihre Bundespartei, was die FDP nach einer massiven Imagekorrektur aber weniger spezifischen Kompetenzen als vielmehr Wolfgang Kubicki als Person verdankt: Mit 1,8 auf der +5/-5-Skala übertrifft das FDP-Urgestein dank lagerübergreifender Anerkennung sogar knapp das hohe Niveau der SPD- und CDU-Spitzenkandidaten – ein in den Ländern seltenes Phänomen.
Das relativ schwache Abschneiden der AfD hat dagegen viele Gründe: Zu einem miserablen Parteiimage und mangelhafter Abgrenzung nach rechts außen kommt in Schleswig-Holstein eine Themenagenda, auf der Flüchtlinge und Asyl konträr zum Bund eine Nebenrolle spielen, zumal das Bundesland nach Ansicht von 80 Prozent der Befragten die Flüchtlinge verkraften kann.
Wie schon bei früheren Wahlen in Schleswig-Holstein erzielt die CDU in der Generation 60plus mit nun 40 Prozent ein weit überdurchschnittliches Ergebnis, bei allen unter 60-Jährigen liegt sie mit 28 Prozent nur knapp vor der SPD, die hier 27 Prozent erreicht. Speziell bei den 16- bis 29-Jährigen wird die SPD stärkste Partei vor der CDU und den Grünen (26, 22 bzw. 16 Prozent), wobei die Grünen auch bei den 30- bis 59-Jährigen klar zweistellig sind und bei den ab 60-Jährigen nach einem leichten Plus noch zehn Prozent schaffen. Die SPD, 2012 bei den beteiligungsstarken älteren Wählern noch überproportional erfolgreich, wird nach größeren Verlusten jetzt noch von 29 Prozent der ab 60-Jährigen gewählt.
Die FDP, bei allen ab 60-Jährigen leicht über und bei den unter 60-Jährigen leicht unter ihrem Gesamtresultat, ist mit 19 Prozent wie gewohnt besonders stark unter Selbstständigen. Etwas über dem Schnitt liegen die Liberalen zudem bei Befragten mit formal hoher Schulbildung, wenngleich das bildungsspezifische Gefälle bei den Grünen ungleich größer ausfällt: Unter Wählern mit Hochschulabschluss bekommen sie mit 21 Prozent dreimal so viele Stimmen wie unter Wählern mit Hauptschulabschluss mit sieben Prozent.
Was schließlich die nächste Landesregierung betrifft, kann in Schleswig-Holstein kein Koalitionsmodell wirklich überzeugen. Ein erneutes SPD/Grüne/SSW-Bündnis (gut 39 Prozent/schlecht 37 Prozent) polarisiert ähnlich stark wie Rot-Grün (40/39 Prozent) oder Schwarz-Gelb (41/38 Prozent). Schwarz-Grün (33/44 Prozent), eine „Jamaika“-Koalition aus CDU, Grünen und FDP (34/46 Prozent), eine Ampel aus SPD, Grünen und FDP (25/48 Prozent) und selbst eine CDU/SPD-Koalition (38/45 Prozent) werden mehrheitlich abgelehnt.

Informationen zu den Umfragen

Die Zahlen basieren auf einer telefonischen Befragung der Forschungsgruppe Wahlen unter 1.293 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten in Schleswig-Holstein in der Woche vor der Wahl und auf der Befragung von 20.023 Wählern am Wahltag.
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Seite zuletzt geändert am 08.05.2017 um 13:01 Uhr

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