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Abwanderung gefährdet Ostdeutschland

Ostdeutsche einig: Abwanderung gefährdet ihre Zukunft - Große Mehrheit der Jüngeren würde aus beruflichen Gründen in den Westen ziehen

(Mannheim, 26.3.2004) Die Klagen über das Ausmaß der Abwanderung vor allem junger, gut ausgebildeter Menschen aus den neuen Bundesländern nehmen zu. Deshalb ist die Forschungsgruppe Wahlen diesem Problem in einer speziellen Untersuchung nachgegangen. Hierfür wurden insgesamt 2.118 Interviews in Ostdeutschland aus dem ersten Quartal 2004 ausgewertet.
Für 84 Prozent der Ostdeutschen stellt die Abwanderung aus den neuen in die alten Bundesländer eine große Gefahr für die Zukunft des Ostens dar, nur 15 Prozent sehen in dieser Entwicklung eine geringe oder gar keine Gefahr. Diese Einschätzung wird auch in allen demographischen Untergruppen mehrheitlich geteilt, wobei ältere Befragte (über 60-Jährige: 89 Prozent) noch häufiger als jüngere (unter 25-Jährige: 69 Prozent) die Zukunft der neuen Bundesländer in Folge der Abwanderung gefährdet sehen. Vor allem die Befragten aus Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen (86 Prozent bzw., 87 Prozent) betonen die Gefahr, die durch die Abwanderung in den Westen entsteht, die Befragten aus dem Osten Berlins stufen diese Gefahr naturgemäß etwas geringer ein (69 Prozent).
Die meisten Ostdeutschen (63 Prozent) kennen jemanden aus ihrem persönlichen Umfeld, der aus beruflichen Gründen bereits in die westlichen Bundesländer gezogen ist. Diese Entwicklung ist aber offensichtlich noch lange nicht abgeschlossen, denn 36 Prozent aller Befragten berichten, dass sich momentan jemand in ihrem Bekanntenkreis mit Abwanderungsgedanken trägt. Es sind vor allem Befragte mit höherem Bildungsabschluss, aus deren persönlichem Umfeld jemand bereits abgewandert ist oder Abwanderungspläne hat. Am häufigsten geben Befragte aus Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen an, dass Bekannte von ihnen in den Westen umgezogen sind, oder dies vorhaben, bei Brandenburgern und Ostberlinern ist dies seltener der Fall, was im Fehlen einer unmittelbaren Grenze zu einem westdeutschen Flächenland begründet ist.
Die Bereitschaft, wegen besserer beruflicher Möglichkeiten in die alten Bundesländer zu ziehen, ist relativ groß: 43 Prozent der Beschäftigten im Osten würden dafür umziehen, für 55 Prozent käme ein Ortswechsel aber nicht in Frage. Befragte mit Abitur (57 Prozent) würden dabei häufiger einen Umzug in Kauf nehmen als Befrage mit mittlerer Reife (35 Prozent) oder Hauptschulabschluss (34 Prozent). Darüber hinaus ist die Bereitschaft zur Mobilität bei Jüngeren weitaus größer als bei Älteren. So wären 77 Prozent der unter 25-Jährigen bereit in den Westen zu ziehen, wenn sich ihnen bessere berufliche Chancen böten, aber nur 38 Prozent der 40- bis 49-Jährigen und 21 Prozent der 50- bis 59-Jährigen.
Diese Ergebnisse müssen vor dem Hintergrund einer bereits sehr hohen Pendlerquote gesehen werden: So hat bereits schon mehr als jeder zehnte Berufstätige seinen Arbeitsplatz in den westlichen Bundesländern.
Datenbasis: Forschungsgruppe Wahlen, Kumulation von Politbarometer-Umfragen in Ostdeutschland (Januar bis März 2004). Telefonische Befragung unter 2.118 zufällig ausgewählten ostdeutschen Wahlberechtigten.

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Seite zuletzt geändert am 14.11.2011 um 12:17 Uhr

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