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Politbarometer September II 2011

Mehrheit will, dass EU Griechenland nicht Bankrott gehen lässt
Fast jeder Fünfte kann sich vorstellen, die Piraten zu wählen

(Mainz, 23.09.2011) Nach dem Erfolg für die Piratenpartei bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am vergangenen Sonntag können sich jetzt bundesweit insgesamt 19 Prozent vorstellen, die Piratenpartei zu wählen (nicht vorstellen: 73 Prozent; weiß nicht: 8 Prozent). Besonders groß ist dieser Anteil unter den Anhängern der Linken (32 Prozent) und der Grünen (18 Prozent).
Forschungsgruppe Wahlen; Veränderungen zur KW 36/2011 in Klammern
In der Politbarometer-Projektion macht sich der Wahlerfolg der Piraten ebenfalls bemerkbar: Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, käme die CDU/CSU auf 34 Prozent und die SPD auf 30 Prozent, die FDP bliebe weiterhin bei nur 4 Prozent und die Linke käme auf 6 Prozent (alle unverändert). Die Grünen hingegen verlieren und kommen nur noch auf 18 Prozent (minus 2), die Piraten würden 4 Prozent erreichen. Die anderen Parteien kämen zusammen auf 4 Prozent.
Bei der Wahl in Berlin ist die FDP zum fünften Mal in diesem Jahr bei einer Landtagswahl an der Fünf-Prozent-Grenze gescheitert. Nur eine Minderheit von 22 Prozent glaubt, dass es der FDP in absehbarer Zeit gelingen wird, ihre Krise zu überwinden, 73 Prozent glauben das nicht (weiß nicht: 5 Prozent).
Besonders dramatisch wirkt sich die Krise der FDP für ihren neuen Vorsitzenden Philipp Rösler aus, dessen Bewertung sich weiter massiv verschlechtert hat: Auf die Frage, was die Bürger von den zehn wichtigsten Politikerinnen und Politiker in Deutschland halten, liegt er zusammen mit Guido Westerwelle auf den letzten Plätzen der Top Ten: Auf Platz eins ist weiterhin der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück mit einem Durchschnittswert von 1,5 (Sept.I: 1,6). Auf Platz zwei folgt Frank-Walter Steinmeier mit 1,4 (Sept.I: 1,3) vor Wolfgang Schäuble mit 1,2 (Sept.I: 1,3). Danach jeweils mit 1,1 Thomas de Maizière (Sept.I: 1,3) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (Sept.I: 1,3). Mit deutlichem Abstand folgen Ursula von der Leyen mit 0,5 (Sept.I: 0,8), Horst Seehofer mit 0,4, der inzwischen wieder zu den zehn Wichtigsten im Land gerechnet wird, und ebenfalls mit 0,4 (Sept.I: 0,4) Sigmar Gabriel. Weit im Negativbereich und beide mit ihren bisher schlechtesten Werten Philipp Rösler mit minus 1,2 (Sept.I: minus 0,7) und Guido Westerwelle mit minus 1,8 (Sept.I: minus 1,7).
In jüngster Zeit wurde vielfach über die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands spekuliert. 50 Prozent der Bundesbürger fänden es nicht gut, wenn es die EU zuließe, dass Griechenland Bankrott geht. Lediglich 41 Prozent fänden das gut (weiß nicht: 9 Prozent). Eine deutliche Mehrheit von 68 Prozent glaubt, dass ein Bankrott Griechenlands für Deutschland wirtschaftlich schlecht wäre, lediglich 15 Prozent erwarten davon positive Effekte (weiß nicht: 17 Prozent).
Ganz unabhängig von diesen Befürchtungen wird offensichtlich die kommende Woche im Bundestag zur Abstimmung stehende Ausweitung des Euro-Rettungsschirms beurteilt: Eine unverändert deutliche Mehrheit von 75 Prozent lehnt diese Maßnahme ab, 19 Prozent unterstützen die vorgesehene Erhöhung der deutschen Bürgschaften für Kredite zur Rettung des Euro auf dann 211 Mrd. Euro (weiß nicht: 6 Prozent). Die Ablehnung geht dabei quer durch alle Parteianhängerschaften (Union: 70 Prozent; SPD: 73 Prozent; Linke: 71 Prozent; Grüne: 67 Prozent, Piraten: 82 Prozent).
Bei der Frage, welche Partei beim Thema Euro-Krise am ehesten eine Politik macht, die den Vorstellungen der Befragten entspricht, wird mit 29 Prozent am häufigsten die CDU/CSU genannt. Danach folgen die SPD mit 23 Prozent, die FDP mit 3 Prozent, Linke mit 1 Prozent und die Grünen mit 2 Prozent. 14 Prozent sagen "keine Partei" und 28 Prozent sehen sich nicht in der Lage, diese Frage zu beantworten.
Nicht nur über das weitere Vorgehen in der Euro-Krise ist in den vergangenen Wochen Streit in der schwarz-gelben Bundesregierung entstanden. Dabei sehen die meisten Bürger keinen eindeutigen Schuldigen für diese Uneinigkeit: 68 Prozent meinen, dass alle beteiligten Partner gleichermaßen am Streit Schuld haben, 16 Prozent halten die FDP für den Hauptschuldigen, 5 Prozent die CDU und nur 2 Prozent die CSU (weiß nicht: 9 Prozent). Wenn es aufgrund dieses Streits in der Regierungskoalition zu vorgezogenen Neuwahlen käme, fänden das 47 Prozent gut und 46 Prozent nicht gut (weiß nicht: 7 Prozent).

Informationen zur Umfrage

Die Umfragen zum Politbarometer wurden wie immer von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Die Interviews wurden in der Zeit vom 20. bis 22. September 2011 bei 1.229 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten telefonisch erhoben. Die Befragung ist repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Der Fehlerbereich beträgt bei einem Parteianteil von 40 Prozent rund +/- drei Prozentpunkte und bei einem Parteianteil von 10 Prozent rund +/- zwei Prozentpunkte. Daten zur politischen Stimmung: CDU/CSU: 35 Prozent, SPD: 33 Prozent, FDP: 2 Prozent, Linke: 5 Prozent, Grüne: 17 Prozent, Piraten: 6 Prozent. Das nächste Politbarometer sendet das ZDF am Freitag, den 14. Oktober 2011.

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Seite zuletzt geändert am 08.10.2012 um 11:05 Uhr

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