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Politbarometer Juni I

Union verliert, SPD legt zu – Mehrheit zweifelt an langfristigem Erfolg der AfD
Fußball-WM: 22 Prozent glauben, Deutschland holt den Titel

(Mainz, 05.06.2014) Nach der Europawahl verliert die CDU/CSU in der Politbarometer-Projektion erneut, während die SPD und auch die AfD zulegen können. Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, käme die CDU/CSU auf 39 Prozent (minus 1) und die SPD auf 26 Prozent (plus 1). Die Grünen blieben konstant bei 11 Prozent, die Linke würde 9 Prozent (minus 1) erreichen und die FDP 3 Prozent (minus 1). Die AfD, die bei der Europawahl 7 Prozent der Stimmen erzielte, könnte sich auf 5 Prozent (plus 1) verbessern und die anderen Parteien erhielten zusammen 7 Prozent (plus 1).
AfD: Mehrheit bezweifelt langfristigen Erfolg und erteilt Koalitionsüberlegungen eine Absage
Mit 63 Prozent gehen fast zwei Drittel der Befragten davon aus, dass die AfD bei der Europawahl hauptsächlich gewählt wurde, um den anderen Parteien einen Denkzettel zu verpassen. 22 Prozent führen dies vor allem auf das Politikangebot der AfD zurück (weiß nicht: 15 Prozent). Groß ist mit 60 Prozent auch der Zweifel an einem langfristigen Erfolg der Partei, mit dem lediglich 25 Prozent rechnen (weiß nicht: 15 Prozent). Die Anhänger der AfD sehen das ganz anders: 84 Prozent erwarten, dass ihre Partei sich auch auf lange Sicht behaupten wird, nur 13 Prozent glauben das nicht (weiß nicht: 3 Prozent).
Wenig Zuspruch würde eine Koalition zwischen CDU/CSU und AfD erfahren. Wenn es nach der nächsten Bundestagswahl zu einem solchen Bündnis käme, fänden das nur 10 Prozent gut, aber 62 Prozent schlecht, 17 Prozent wäre es egal (weiß nicht: 11 Prozent). Von den Unionsanhängern sprechen sich 69 Prozent dagegen aus (gut: 9 Prozent; egal: 13 Prozent; weiß nicht: 9 Prozent), während umgekehrt 67 Prozent der AfD-Anhänger eine Koalition mit der CDU/CSU begrüßen würden (schlecht: 18 Prozent; egal: 14 Prozent; weiß nicht: 1 Prozent).
FDP: Nur ein Viertel erwartet Wiedereinzug in den Bundestag
Nach dem schlechten Abschneiden der FDP auch bei der Europawahl, glauben nur 25 Prozent, dass die Partei sich soweit erholen wird, dass sie bei der nächsten Bundestagswahl über die Fünf-Prozent-Hürde kommt. 71 Prozent meinen, die FDP wird an der Sperrklausel scheitern (weiß nicht: 4 Prozent).
Top Ten: Tendenz fallend
Die Liste der Top Ten wurde von den Befragten neu bestimmt. Thomas de Maizière zählt demnach nicht mehr zu den zehn wichtigsten Politikern und Hannelore Kraft ist nach fünf Monaten Pause wieder dabei. Anders als zuletzt haben die meisten Politiker jetzt Imageeinbußen. So auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die auf der Skala von +5 bis -5 mit einem Durchschnittswert von 2,2 (Mai: 2,4) benotet wird und damit weiterhin die Liste anführt. Auf Platz zwei liegt Frank-Walter Steinmeier mit etwas verschlechterten 1,9 (Mai: 2,1) und Platz drei hält Wolfgang Schäuble mit 1,8 (Mai: 1,9). Danach folgen Hannelore Kraft mit 1,5 und Sigmar Gabriel mit 1,2 (Mai: 1,2) sowie Peer Steinbrück mit 1,0 (Mai: 0,9). Verloren hat auch Ursula von der Leyen, die mit 0,8 (Mai: 1,0) zwei Plätze nach hinten rutscht. Andrea Nahles kann sich mit 0,6 (Mai: 0,5) leicht verbessern, während Gregor Gysi mit 0,3 (Mai: 0,4) etwas schlechter bewertet wird. Dennoch rückt er einen Rang auf und neu auf dem letzten Platz ist jetzt Horst Seehofer, ebenfalls mit 0,3 (Mai: 0,5) bei Unterschieden nur im Hundertstelbereich.
Künftiger EU-Kommissionspräsident: Viel Gleichgültigkeit
Vor der Europawahl wurden erstmals europaweit Spitzenkandidaten aufgestellt, die auch das Amt des Kommissionspräsidenten für sich reklamierten. Dass dieses Amt jetzt nur mit einem der Spitzenkandidaten besetzt werden soll, dafür sprechen sich 35 Prozent der Befragten aus. Für 21 Prozent wäre es akzeptabel, wenn auch ein anderer Politiker EU-Kommissionspräsident würde und 40 Prozent ist das egal (weiß nicht: 4 Prozent).
Ukraine: Mehrheit erwartet keine Entspannung der Lage
Nur 30 Prozent gehen davon aus, dass sich die Situation in der Ukraine jetzt nach der Präsidentschaftswahl beruhigen wird, mit 61 Prozent bezweifelt dies aber eine Mehrheit (weiß nicht: 9 Prozent). Ebenso rechnen nur 28 Prozent mit einem Beitrag Russlands zur Deeskalation der Lage, zwei Drittel (66 Prozent) sind der Meinung, dass Russland nicht zur Befriedung des Konflikts beitragen wird (weiß nicht: 6 Prozent).
Fußball-WM: Gut jeder Fünfte rechnet mit dem Titel für Deutschland
Nur geringfügig pessimistischer als vor vier Jahren sind die Deutschen im Hinblick auf das Abschneiden bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien: 22 Prozent (Juni 2010: 25 Prozent) glauben, Deutschland wird Weltmeister. Dass für Deutschland schon in der Vorrunde Schluss ist, damit rechnen 4 Prozent, 10 Prozent erwarten ein Scheitern im Achtelfinale, 31 Prozent im Viertelfinale, 22 Prozent im Halbfinale und 4 Prozent sehen Deutschland als Vizeweltmeister (weiß nicht: 7 Prozent).
43 Prozent der Befragten glauben, dass die WM - trotz der in Brasilien stattfindenden Proteste wegen der hohen Kosten für deren Ausrichtung - reibungslos verlaufen wird, 53 Prozent stellen das in Frage (weiß nicht: 4 Prozent). Und nur gut ein Drittel (36 Prozent) ist der Meinung, Brasilien wird von der Weltmeisterschaft unterm Strich profitieren, die meisten (58 Prozent) bezweifeln das (weiß nicht: 6 Prozent).

Informationen zur Umfrage

Die Umfrage zum Politbarometer wurde wie immer von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Die Interviews wurden in der Zeit vom 2. bis 4. Juni 2014 bei 1.215 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten telefonisch erhoben. Die Befragung ist repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Der Fehlerbereich beträgt bei einem Parteianteil von 40 Prozent rund +/- drei Prozentpunkte und bei einem Parteianteil von 10 Prozent rund +/- zwei Prozentpunkte. Daten zur politischen Stimmung: CDU/CSU: 40 Prozent, SPD: 30 Prozent, Linke: 8 Prozent; Grüne: 11 Prozent, FDP: 2 Prozent, AfD: 6 Prozent. Das nächste Politbarometer sendet das ZDF am Freitag, den 27. Juni 2014.

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Seite zuletzt geändert am 05.06.2014 um 10:59 Uhr

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