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Wahlanalyse Brandenburg 2019

SPD bleibt trotz Verlusten stärkste Partei –
AfD und Grüne im Plus – klare Verluste für CDU und Linke

(Mannheim, 02.09.2019) Bei der Landtagswahl in Brandenburg ist es zu großen Bewegungen in der Parteienlandschaft gekommen: Die SPD kann ihre Position als stärkste Partei mit 26,2 Prozent zwar behaupten, kommt aber bei Verlusten (minus 5,7 Prozentpunkte) auf ihr schwächstes Ergebnis in diesem Land. Sowohl die CDU, die auf 15,6 Prozent kommt (minus 7,4) als auch die Linke, die 10,7 Prozent erzielt (minus 7,9) haben deutliche Verluste und rutschen hinter die AfD, die bei starken Zugewinnen (plus 11,3) mit 23,5 Prozent zweitstärkste Partei wird. Die Grünen können ihr Ergebnis von 2014 fast verdoppeln auf 10,8 Prozent (plus 4,6). Die BVB/FW schaffen mit 5,0 Prozent (plus 2,3) den Einzug ins Brandenburger Parlament, die FDP scheitert mit 4,1 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde. Die Wahlbeteiligung steigt deutlich auf 61,3 Prozent (nach 47,9 Prozent im Jahr 2014.)
Mit diesem Ergebnis hat die amtierende Koalition aus SPD und Linke keine Mehrheit mehr. Ihre bisherige Arbeit wird auf der +5/-5-Skala mit mäßigen 0,6 bewertet, im Einzelnen die SPD mit 0,6 und die Linke mit 0,0. Vor fünf Jahren bekam die SPD in der Regierung noch 1,7 und die Linke 0,6.
Zwar erfährt der amtierende Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) mit Ausnahme der AfD-Anhänger lagerübergreifende Wertschätzung. 64 Prozent aller Befragten bescheinigen ihm eine gute Arbeit als Ministerpräsident (2014: 70 Prozent). Das ist aber im Vergleich zu anderen amtierenden Landeschefs ein eher mittelmäßiger Wert. Mit 1,6 wird er insgesamt klar positiv, jedoch schlechter als vor fünf Jahren bewertet (2014: 2,4). Sein sächsischer Amtskollege Michael Kretschmer (CDU) wird in Sachsen mit 2,3 eingestuft.
Trotz dieser gesunkenen Popularitätswerte wird Woidke deutlich positiver bewertet als alle anderen bekannten Spitzenpolitiker im Land: Ingo Senftleben von der CDU kommt nur auf 0,7 und Andreas Kalbitz von der AfD auf minus 1,4. Auch die Frage nach dem gewünschten Ministerpräsidenten entscheidet der aktuelle Regierungschef für sich. Stünden Woidke und Senftleben zur Wahl, würden sich 48 Prozent für Woidke und 23 für Senftleben entscheiden. Im Duell Woidke gegen Kalbitz würden sich 52 für Woidke und zwölf Prozent für den AfD-Kandidaten entscheiden (Rest jeweils „keinen“, „kenne ich nicht“ oder „keine Angabe“).
In Brandenburg werden auch die aktuell schwierigen Rahmenbedingungen für die SPD deutlich: Die Zufriedenheit der Brandenburger mit der Bundes-SPD liegt bei mageren 0,6 im Vergleich zur Landes-SPD mit 1,3, die allerdings 2014 noch mit 2,2 bewertet worden war. Bei der CDU ist es umgekehrt. Hier erhält die Landes-CDU mit 0,7 einen etwas schlechteren Wert als die Bundes-CDU (1,0).
Eine Mehrheit der Brandenburger findet ihr Land ganz allgemein unzureichend auf die Zukunft vorbereitet (47 Prozent), nur 42 Prozent sind da optimistisch (weiß nicht: elf Prozent). Bei den in Brandenburg wichtigsten Themen Infrastruktur und Bildung wird der SPD die größte Kompetenz zugeschrieben, wie auch in den Bereichen Wirtschaft und Soziale Gerechtigkeit. Die CDU kann nur beim Thema Arbeitsplätze punkten. In die Grünen wird wie gewohnt beim Klimaschutz das größte Vertrauen gesetzt, die Linke ist bei den Themen Soziale Gerechtigkeit und Sorgen der Ostdeutschen stark. Der AfD wird bei der Ausländerpolitik die größte Kompetenz zugeschrieben. Allgemein verspricht sich die Mehrheit in Brandenburg nicht viel Inhaltliches von der AfD: 58 Prozent meinen, die Politik in Brandenburg wäre schlechter, wenn die AfD an der Landesregierung beteiligt wäre, nur 22 Prozent erwarten in diesem Fall eine bessere Politik (kein Unterschied: 13 Prozent, weiß nicht: sieben Prozent).
Die Mehrheit der AfD-Wähler in Brandenburg (53 Prozent) gab als Motiv für ihre Wahlentscheidung an, den anderen Parteien einen Denkzettel verpassen zu wollen und 43 Prozent die Partei wegen ihrer Inhalte zu wählen (in Sachsen sagen dies 70 Prozent). Dabei meinen besonders viele AfD-Wähler(46 Prozent), sie haben im Leben weniger, als ihnen gerechterweise zustehe, im Vergleich zu 29 Prozent unter allen Brandenburgern.
Die AfD hat ihr höchstes Stimmenplus bei Wählern zwischen 30 und 59 Jahren (14 Prozentpunkte) und wird innerhalb dieser Altersgruppen stärkste Kraft. Sie erzielt bei Männern 29 Prozent der Stimmen, bei Frauen 18 Prozent. Bei männlichen Wählern unter 60 Jahren wird die AfD mit Abstand erfolgreichste Partei (32 Prozent) und wie bei vielen Wahlen zuvor, bleibt sie bei über 60-Jährigen vergleichsweise etwas schwächer (18 Prozent). Umgekehrt ist die SPD in dieser Altersgruppe stark und kommt auf 37 Prozent bei leichten Verlusten (minus drei). Bei allen Wählern unter 60 Jahren verliert die SPD überdurchschnittlich an Zustimmung. Gleiches gilt für die CDU, die bei den unter 45-Jährigen nahezu einbricht und bei den unter 30-Jährigen nur noch neun Prozent erzielt. Die Linke hat bei der Generation 60 plus zweitstellige Verluste. Die Grünen werden bei den unter 30-Jährigen mit einem Plus von 14 Punkten stärkste Partei knapp vor der AfD, die hier 20 Prozent erzielt.

Informationen zu den Umfragen

Die Zahlen basieren auf einer telefonischen Befragung der Forschungsgruppe Wahlen unter 1.059 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten in Brandenburg in der Woche vor der Wahl sowie auf der Befragung von 16.001 Wählern am Wahltag.
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Seite zuletzt geändert am 04.09.2019 um 09:54 Uhr

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