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Wahlanalyse Bremen 2019

Rot-Grün ohne Mehrheit

(Mannheim, 31.05.2019) Bei der 19. Bürgerschaftswahl im Land Bremen wird die SPD erstmals nicht mehr stärkste Partei. Sie kommt mit 24,9 Prozent und deutlichen Verlusten (minus 7,9 Prozentpunkte) auf ihr schwächstes Bremen-Ergebnis in der Nachkriegsgeschichte. Die Grünen erholen sich etwas (plus 2,3) – nach ihren herben Verlusten 2015 -, und erzielen 17,4 Prozent, können allerdings bei weitem nicht die Verluste der SPD wettmachen. Somit steht die rot-grüne Koalition am Ende ihrer dritten Legislaturperiode vor dem Aus. Die CDU legt zu (plus 4,2) und ist mit 26,7 Prozent zum ersten Mal in Bremen stärker als die SPD. Die Linke wird zweistellig mit 11,3 Prozent (plus 1,8). Die FDP ist erneut in der Bürgerschaft vertreten mit 6,0 Prozent und leichten Verlusten (minus 0,6). Die AfD kommt auf 6,1 Prozent (plus 0,6) und die „Bürger in Wut“ (BIW), die in Bremerhaven die Fünf-Prozent-Hürde überwinden, bleiben in der Bürgerschaft mit 2,4 Prozent. Die Wahlbeteiligung steigt deutlich auf 64,0 Prozent (nach 50,2 Prozent in Jahr 2015).
Die Wahl im kleinsten Bundesland war wieder primär von landespolitischen Überlegungen geprägt: Die Politik vor Ort spielt für 76 Prozent eine zentrale Rolle bei der Wahlentscheidung, die Politik im Bund nur für 20 Prozent.
Der SPD fehlte diesmal ein Zugpferd. Mit Carsten Sieling (SPD) konnte ein vergleichsweise unauffälliger Bürgermeister kaum Strahlkraft entwickeln und sich keinen Amtsbonus erarbeiten. So sprechen sich bei der Frage nach dem gewünschten Bürgermeister zwar mehr Befragte für Sieling (45 Prozent) als für Carsten Meyer-Heder von der CDU (34 Prozent) aus, (acht Prozent keinen von beiden und 13 Prozent kenne nicht/weiß nicht). Sein Vorgänger Jens Böhrnsen (SPD) kam vor vier Jahren jedoch auf 65 Prozent gegenüber 18 Prozent für Elisabeth Motschmann (CDU).
Carsten Sieling (SPD) wird auf der +5/-5-Skala mit 1,1 viel schwächer beurteilt als damals sein Amtsvorgänger Böhrnsen (2,1). Umgekehrt schneidet Carsten Meyer-Heder (CDU) mit 0,8 wesentlich besser ab als die damalige CDU-Spitzenkandidatin Elisabeth Motschmann (minus 0,3). Im Kandidatenvergleich wird Sieling zwar mehr zugetraut (mehr Sachverstand, sympathischer, glaubwürdiger, eher bürgernah), doch viele sehen keinen Unterschied zwischen dem amtierenden SPD-Bürgermeister und dem Quereinsteiger von der CDU.
Abgesehen vom politischen Spitzenpersonal verliert die Bremer SPD mit 0,7 (2015: 1,6) auf der +5/-5-Skala stark an Parteiansehen, die Grünen (0,8; 2015: 0,5) werden genau wie die CDU (0,5; 2015: 0,0) etwas besser beurteilt als vor vier Jahren. Die rot-grüne Senatsarbeit insgesamt wird nur schwach bewertet (0,1), im Detail sowohl die SPD als auch die die Grünen mit 0,3. Die CDU in der Opposition kommt ebenfalls auf 0,3.
Auch bei den zentralen Themen hat die SPD erheblich an Kompetenzzuschreibung eingebüßt. Beim wichtigsten Thema in Bremen, „Bildung und Schule“, wird der CDU (28 Prozent) mehr zugetraut als SPD (18 Prozent), Grünen (13 Prozent) und Linke (elf Prozent). Beim zweitwichtigsten Thema „Verkehr“ liegen Grüne (27 Prozent) und CDU (25 Prozent) praktisch gleichauf, auf die SPD entfallen nur 15 Prozent. Beim drittwichtigsten Thema „Wohnungsmarkt“ macht die SPD (29 Prozent)nach Ansicht der Bremer die beste Politik vor CDU (18 Prozent) und Linke (14 Prozent).
Trotz der überall erkennbaren Schwäche der SPD wünscht sich eine Mehrheit (52 Prozent) einen SPD-geführten Senat, 37 Prozent sprechen sich für einen CDU-geführten aus. In der Detailbetrachtung findet allerdings keines der denkbaren Koalitionsmodelle bei der Mehrheit der Wähler eine Unterstützung.
Die SPD verliert bei Wählern jeden Alters stark, bei den ab 60-Jährigen kommt sie auf ihr relativ bestes Ergebnis innerhalb der Altersgruppen (33 Prozent). Die CDU ist in allen Altersgruppen fast gleichauf oder stärker als die SPD. Bei den 45- bis 59-Jährigen (plus neun) sowie den Wählern ab 60 Jahren (plus acht) legt sie sichtbar zu, bei den unter 30-Jährigen hingegen verliert sie (minus drei). Die Grünen punkten vor allem bei unter 30-Jährigen (plus acht), wo sie mit 27 Prozent stärkste Partei werden.

Informationen zu den Umfragen

Die Zahlen basieren auf einer telefonischen Befragung der Forschungsgruppe Wahlen unter 1.122 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten im Land Bremen in der Woche vor der Wahl sowie auf der Befragung von 14.665 WählerInnen (72.258 Stimmen) am Wahltag.
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Seite zuletzt geändert am 06.06.2019 um 12:41 Uhr

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