Zum Inhalt / Navigation überspringen

Wahlanalyse Schleswig-Holstein 2022

CDU-Wahlsieg mit überragendem Daniel Günther –
Votum für politische Kontinuität in Schleswig-Holstein

(Mannheim, 09.05.2022) Überlegener Sieger der Landtagswahl in Schleswig-Holstein wird die CDU: Nach zweistelligen Zuwächsen ist sie mit 43,4 Prozent (plus 11,4 Prozentpunkte) jetzt stärker als in allen anderen Bundesländern. Die SPD fällt nach heftigen Verlusten mit 16,0 Prozent (minus 11,3) auf ein historisches Tief in diesem Bundesland. Die Grünen erzielen dagegen mit 18,3 Prozent (plus 5,4) ein Rekordergebnis und kommen auf Platz zwei. Die FDP hat starke Verluste und kommt auf 6,4 Prozent (minus 5,1), die AfD scheitert mit 4,4 Prozent (minus 1,5) erstmals bei einer Landtagswahl seit 2013 an der Fünf-Prozent-Hürde. Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) schafft mit 5,7 Prozent (plus 2,4) sein bestes Ergebnis seit 1950, die Linke fällt auf nur noch 1,7 Prozent (minus 2,1) und alle sonstigen Parteien erreichen zusammen 4,2 Prozent (plus 0,7). Die Wahlbeteiligung sinkt auf 60,4 Prozent (minus 3,8).
CDU-Wahlsieg: Erfolgsfaktor Daniel Günther
Bei einer klar landespolitisch geprägten Wahl hat der CDU-Erfolg im Norden Deutschlands viele Gründe und einen Namen: Neben hohem Ansehen als Landespartei, Sachkompetenz und guter Regierungsarbeit punkten die Christdemokraten allen voran mit Daniel Günther. Flankiert von einer hervorragenden Bilanz (gute Arbeit: 85 Prozent), schafft es der CDU-Spitzenkandidat bei parteiübergreifendem Ansehen (+5/-5-Skala: 3,1) in die Ministerpräsidenten-Spitzenklasse.
Personen: SPD- und Grüne-Kandidat/in weitgehend unbekannt
62 Prozent wollen Daniel Günther, aber nur acht Prozent Thomas Losse-Müller (SPD) und neun Prozent Monika Heinold (Grüne) als Regierungschef/in – ein selten großer Abstand, der neben den überragenden Qualitäten des Amtsinhabers auch auf spezifisch-schwacher Konkurrenz beruht: Nur etwas mehr bzw. sogar weniger als einem Drittel der Befragten sind die Herausforderer von SPD bzw. Grünen, Thomas Losse-Müller (+5/-5-Skala: 1,0) und Monika Heinold (1,6) namentlich bekannt.
Parteiimages: Land-Bund-Gefälle bei der CDU
Neben einem blassen Kandidaten – und einem in der Ukraine-Krise nur bedingt überzeugenden Bundeskanzler – macht der SPD ihr rückläufiges Vor-Ort-Ansehen zu schaffen: Als Landespartei verliert die SPD Reputation (0,9; 2017: 1,5) und liegt hier unter dem Niveau der Bundes-SPD (1,2; 2017: 1,4). Die Grünen sind im Land stabil (1,2; 2017: 1,2), während die Bundespartei einen klaren Imagegewinn verbucht (1,3; 2017: 0,6). Bei der CDU trennen die Befragten ungewöhnlich deutlich zwischen einer Bundespartei (0,8; 2017: 1,7), deren Reputation absackt, und der Schleswig-Holstein-CDU, die beim Ansehen Rekordniveau erreicht (2,4; 2017: 1,4).
Themen: Grüne bei Energiepolitik stark
Bei einer Wahl, bei der für 70 Prozent das Geschehen im Land und nur für 26 Prozent die Bundespolitik wichtiger war, profitiert die CDU zudem von gewachsenem Standortvertrauen: Während Schleswig-Holstein für inzwischen 63 Prozent (2017: 56 Prozent) gut für kommende Aufgaben gerüstet ist, wird der größten Regierungspartei die eindeutig höchste Zukunfts- und Wirtschaftskompetenz zugeschrieben. Bei „Bildung/Schule“ oder „Infrastruktur“ zeigt die CDU aber relative Defizite; bei „Energiepolitik“ und „Klima/Umwelt“, dem wichtigsten Themenbereich im Land, liegt die CDU weit hinter den Grünen.
Kleine Parteien: Große Unterschiede beim Ansehen
Die FDP wird zwar bei den Themen „Infrastruktur“ und „Verkehr“ mit einer eigenständigen Kompetenz wahrgenommen. Ansonsten bleibt die FDP bei den Inhalten aber eher schwach und beim Parteiansehen im Land nur mäßig (+5/-5-Skala: 0,7; 2017: 0,7), was sie relativ zum großen Regierungspartner und den Grünen zurückfallen lässt. Der SSW profiliert sich neben ordentlicher Oppositionsarbeit mit gewachsenem Ansehen (1,4; 2017: 0,6), das Image der AfD bleibt miserabel (minus 3,9; 2017: minus 3,7).
Wer wählte wen: CDU-Domäne Generation 60plus
Die CDU wird bei allen ab 30-jährigen Wähler/innen klar stärkste Partei, verdankt ihren überlegenen Wahlsieg aber vor allem der älteren, wie gewohnt besonders beteiligungsstarken Generation: Bei den ab 60-Jährigen ist die CDU mit 50 Prozent gut doppelt so stark wie bei den unter 30-Jährigen. Bei letzteren kann die CDU kaum zulegen und wird von den Grünen überholt (24 bzw. 26 Prozent). Die SPD konkurriert bei den unter 30-Jährigen mit der FDP (13 bzw. 12 Prozent), besonders heftig verliert die SPD aber bei den 45- bis 59-Jährigen (minus 16). In der Generation 60plus bleibt die SPD mit 20 Prozent leicht überdurchschnittlich, allerdings kommen die Grünen mit 15 Prozent auch hier jetzt stärker in Sichtweite; bei allen unter 60-Jährigen liegt die SPD weit hinter den Grünen.
Koalitionen: Regierungsauftrag für die CDU
Was die nächste Regierung betrifft, ist die Rückmeldung zu Schwarz-Grün und „Jamaika“ positiv, gegenüber allen anderen Koalitionsmodellen überwiegt Distanz. Bei hoher Zufriedenheit mit der Landesregierung war die Wahl so auch ein klares Votum für politische Kontinuität im Norden – getragen von einem integrativen Ministerpräsidenten, der in Zeiten der Krise neben Qualität auch für stabile Führung steht. Entsprechend hat der CDU-Wahlsieg eine spezifisch-personelle Dimension, die sich genau wie die Inhalte oder das strukturelle Umfeld so auch nicht auf die Landtagswahl in NRW übertragen lassen.

Informationen zu den Umfragen

Die Zahlen basieren auf einer telefonischen Befragung der Forschungsgruppe Wahlen unter 1.173 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten in Schleswig-Holstein in der Woche vor der Wahl sowie auf der Befragung von 17.834 Wähler/innen am Wahltag.
Weitere Grafiken auf heute.de

zum Seitenanfang

Seite zuletzt geändert am 09.05.2022 um 15:00 Uhr

zum Seitenanfang