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Politbarometer Oktober II 2015

Deutliche Mehrheit für Transitzonen
CDU/CSU im Minus – FDP bei 5 Prozent – Seehofer mit Verlusten

(Mainz, 23.10.2015) Nachdem die optimistische Anfangshaltung der Deutschen in Hinblick auf die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland Anfang Oktober von einer eher skeptischen Einschätzung abgelöst wurde, hat sich die Stimmung im Vergleich zu vor zwei Wochen stabilisiert: Jetzt glauben 46 Prozent (plus 1), dass Deutschland die vielen Flüchtlinge, die zu uns kommen, verkraften kann und unverändert 51 Prozent glauben das nicht (Rest zu 100 Prozent hier und im Folgenden jeweils „weiß nicht“).
Für die Einrichtung sogenannter Transitzonen für Flüchtlinge, also Aufnahmeeinrichtungen, in denen geprüft wird, ob Flüchtlinge eine Chance auf ein Bleiberecht in Deutschland haben und dann andernfalls schnell zurückgeschickt werden, sprechen sich 71 Prozent aller Befragten aus. 25 Prozent sind gegen solche Einrichtungen. In allen Parteianhänger-Gruppen gibt es dabei eine - wenn auch unterschiedlich große - Mehrheit für die Einrichtung solcher Transitzonen.
Massiver Rückhalt für Seehofers Flüchtlingspolitik nur bei AfD-Anhängern
Während relativ unverändert 45 Prozent der Meinung sind, dass Angela Merkel ihre Arbeit im Bereich Flüchtlinge und Asyl eher gut macht und 48 Prozent das nicht so sehen, finden 41 Prozent die Politik des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer bei diesen Themen eher gut und 49 Prozent eher schlecht. Auffällig ist dabei, dass er mit 97 Prozent lediglich bei den Anhängern der AfD eine mehrheitliche Unterstützung findet (Ablehnung: 3 Prozent). Selbst bei den Anhängern der CDU/CSU halten Seehofers Politik nur 43 Prozent für eher gut (eher schlecht: 46 Prozent). Merkels Positionen hingegen finden bei 61 Prozent der CDU/CSU-Anhänger Unterstützung (Ablehnung: 30 Prozent), aber nur bei einem Prozent der AfD-Anhänger (Ablehnung: 98 Prozent).
TOP TEN
Weiterhin auf Platz eins der nach Ansicht der Befragten wichtigsten zehn Politiker/innen liegt Wolfgang Schäuble. Er erreicht auf der Skala von +5 bis -5 einen unveränderten Durchschnittswert von 2,2. Auf Platz zwei folgt Frank-Walter Steinmeier mit unveränderten 2,1 knapp vor Wolfgang Bosbach mit 2,0 (Okt. I: 1,9). Auf Platz vier liegt Bundeskanzlerin Angela Merkel, die in der Gesamtheit aller Befragten auf 1,5 kommt (Okt. I: 1,6). Sie wird von den Anhängern der CDU/CSU mit sehr positiven 3,5, von den AfD-Anhängern hingegen mit minus 2,1 bewertet. Mit Abstand folgen Manuela Schwesig mit 1,0 (Okt. I: 0,9), Sigmar Gabriel mit nur noch 0,9 (Okt. I: 1,1), Gregor Gysi mit 0,8 (Okt. I: 0,7), Ursula von der Leyen mit 0,7 (Okt. I: 0,8), Thomas de Maizière mit lediglich 0,5 (Okt. I: 0,8). Schlusslicht bleibt Horst Seehofer, der deutlich verliert und jetzt auf einen Wert von 0,4 kommt (Okt. I: 0,7). Er erhält von den Anhängern der CDU/CSU lediglich 1,3, von den AfD-Anhängern hingegen sehr gute 3,2.
Projektion
Wenn am nächsten Sonntag wirklich Bundestagswahl wäre, käme die CDU/CSU nur noch auf 39 Prozent (minus 2), die SPD auf unveränderte 25 Prozent und die Linke auf 9 Prozent (unverändert). Die Grünen könnten sich auf 10 Prozent (plus 1) und die FDP auf 5 Prozent (plus 1) verbessern. Die AfD würde 6 Prozent (unverändert) erreichen. Die anderen Parteien erzielten zusammen 6 Prozent (unverändert). Neben Schwarz-Rot würde es damit auch für Schwarz-Grün reichen. Rot-Rot-Grün oder Schwarz-Gelb hingegen hätten keine Mehrheit.
Unterstützung für Pegida eher im Osten
Seit einem Jahr gibt es die Pegida-Bewegung, die vor allem in Dresden regen Zuspruch findet. Während nur 8 Prozent in den alten Bundesländern die Pegida-Bewegung gut finden und 87 Prozent schlecht, unterstützt im Osten gut jeder Fünfte (21 Prozent) Pegida (Ablehnung: 71 Prozent).
Fremdenfeindlichkeit in Deutschland
Relativ unverändert meinen 51 Prozent aller Befragten, dass Fremdenfeindlichkeit in Deutschland sehr stark oder stark verbreitet ist, lediglich 46 Prozent gehen davon aus, dass diese nicht so stark verbreitet ist und ein Prozent sieht überhaupt keine Fremdenfeindlichkeit in unserem Land.
Türkei: Finanzielle Unterstützung und EU-Beitritt
Bei der Lösung der Flüchtlingskrise kommt der Türkei eine Schlüsselrolle zu. 62 Prozent aller Befragten sind der Meinung, dass die Türkei finanziell stärker unterstützt werden sollte, damit dort weitere Flüchtlingslager eingerichtet werden und so mehr Flüchtlinge dort bleiben können. 30 Prozent sprechen sich gegen eine solche Finanzierung aus. Weiterhin unverändert deutlich wird eine EU-Mitgliedschaft der Türkei abgelehnt: lediglich 29 Prozent sind dafür, dass die Türkei in den nächsten Jahren in die EU aufgenommen wird, 60 Prozent sind dagegen.
Vergabe der Fußball WM 2006
Dass es im Zusammenhang mit der Vergabe der Fußballweltmeisterschaft 2006 an Deutschland zu Bestechungen durch den Deutschen Fußballbund (DFB) gekommen ist, glauben 57 Prozent der Deutschen, lediglich 30 Prozent glauben das nicht.

Informationen zur Umfrage

Die Umfrage zum Politbarometer wurde wie immer von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Die Interviews wurden in der Zeit vom 20. bis 22. Oktober 2015 bei 1.258 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten telefonisch erhoben. Die Befragung ist repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Der Fehlerbereich beträgt bei einem Parteianteil von 40 Prozent rund +/- drei Prozentpunkte und bei einem Parteianteil von 10 Prozent rund +/- zwei Prozentpunkte. Daten zur politischen Stimmung: CDU/CSU: 40 Prozent, SPD: 26 Prozent, Linke: 8 Prozent, Grüne: 13 Prozent, FDP: 4 Prozent, AfD: 5 Prozent. Das nächste Politbarometer sendet das ZDF am Freitag, den 13. November 2015. Weitere Informationen zur Methodik der Umfrage

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Seite zuletzt geändert am 23.10.2015 um 10:38 Uhr

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Aktuelles Politbarometer (PDF, 40 KB). Die Standardfragen finden Sie hier.

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