Politbarometer Oktober II 2026
Große Zweifel an Putins Interesse an Waffenruhe – Projektion: Vorsprung der AfD vor der Union verringert sich
In Deutschland hält die Solidarität mit der Ukraine an: 30 Prozent der Befragten befürworten eine stärkere militärische Unterstützung der Ukraine durch die europäischen Staaten, 33 Prozent heißen das aktuelle Engagement Europas gut und 32 Prozent sprechen sich für ein Zurückfahren der Militärhilfen aus. Uneins sind sich die Deutschen hingegen bei der Frage, ob Russland auch östliche NATO-Länder wie Polen oder die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen angreifen wird: 46 Prozent rechnen mit einem solchen Angriff, ähnlich viele (48 Prozent) und mehr Ost- (57 Prozent) als Westdeutsche (46 Prozent) tun das nicht.
Dass die großen innenpolitischen Probleme und gewaltsamen Proteste, die es zurzeit in Frankreich gibt, ein großes Problem für die EU insgesamt darstellen, meinen 71 Prozent der Befragten. 26 Prozent, darunter überdurchschnittlich viele Anhänger der Linken (46 Prozent), sehen darin ein nicht so großes oder gar kein Problem. Ebenfalls kritisch blicken die Deutschen auf die Existenz starker europakritischer, populistischer und rechter Parteien in vielen Ländern der EU. Dass dies für die Zukunft der EU ein großes Problem ist, glauben die allermeisten Befragten (81 Prozent). Weniger als ein Fünftel (17 Prozent), darunter eine Mehrheit der AfD-Anhänger (51 Prozent), macht sich diesbezüglich keine Sorgen.
Wenn am nächsten Sonntag wirklich Bundestagswahl wäre, würde sich der Abstand zwischen AfD und Union verringern: Die CDU/CSU käme in der Projektion auf verbesserte 23 Prozent (plus 2), die AfD würde sich verschlechtern und 26 Prozent (minus 2) erreichen. Die SPD hätte leichte Zugewinne und läge bei 14 Prozent (plus 1), Grüne und Linke würden einbüßen und 13 Prozent (minus 2) bzw. 11 Prozent (minus 1) erzielen. Die FDP würde nach wie vor 3 Prozent erhalten (unverändert), alle anderen Parteien kämen zusammen auf 10 Prozent (plus 2), darunter keine Partei, die mindestens drei Prozent erreichen würde. Mit diesem Ergebnis hätte Schwarz-Rot weiterhin keine Mehrheit.
Bei der Beurteilung nach Sympathie und Leistung („Was halten Sie von?“) liegt Boris Pistorius nach wie vor auf Platz eins. Er wird auf der Skala von +5 bis -5 mit einem Durchschnittswert von 1,6 (hier und im Folgenden Vergleichswert von Anfang Oktober: 1,3) beurteilt. Es folgen erneut Manuela Schwesig mit 1,2 (1,1), Hendrik Wüst mit 0,9 (0,8) und mit Abstand Markus Söder, der sich mit minus 0,1 (minus 0,5) klar verbessert. Ebenfalls deutlich besser als vor zwei Wochen sind Lars Klingbeil mit minus 0,2 (minus 0,6) und Bärbel Bas auch mit minus 0,2 (minus 0,7). Danach kommen Heidi Reichinnek mit minus 1,2 (minus 1,0) und Friedrich Merz, der mit minus 1,5 (minus 2,0) sichtbar zulegen kann. Schlusslicht sind Tino Chrupalla mit minus 2,7 (minus 2,5) und Alice Weidel mit ebenfalls minus 2,7 (minus 2,5).
Im Rahmen ihrer geplanten Rentenreform will die Bundesregierung die sogenannte Rente mit 63 abschaffen. In der Bevölkerung wird dieses Vorhaben sehr kritisch bewertet: Knapp drei Viertel (74 Prozent) der Befragten und Mehrheiten in allen Parteianhängerschaften und Altersgruppen sprechen sich gegen die Abschaffung der „Rente mit 63“ aus, lediglich 21 Prozent befürworten diesen Plan der Bundesregierung. Generell sieht eine große Mehrheit der Befragten beim Thema Rente aber Handlungsbedarf: 83 Prozent halten eine grundlegende Reform zur Stabilisierung der Rente, die auch zu Einschnitten und finanziellen Belastungen führt, für wichtig oder sehr wichtig. Für 12 Prozent ist solch eine Rentenform nicht so oder gar nicht wichtig.
Nach der Abgeordnetenhauswahl wollen Linke, Grüne und SPD im Land Berlin jetzt über eine gemeinsame Regierung verhandeln. Wenn es in Berlin zu einer rot-grün-roten Regierung unter Führung der Linke käme, fänden das 56 Prozent der Deutschen, darunter auch 42 Prozent der SPD- und 26 Prozent der Grünen-Anhänger, schlecht, insgesamt 26 Prozent fänden das gut und 16 Prozent wäre das egal.
Im Vergleich mit unseren westeuropäischen Nachbarn geht es der Gesellschaft in Deutschland nach Ansicht von 53 Prozent der Befragten eher besser, 16 Prozent sagen „eher schlechter“ und 27 Prozent sehen da keinen großen Unterschied. Während die Anhänger von CDU/CSU (71 Prozent), SPD (61 Prozent), Grünen (58 Prozent), Linke (57 Prozent) und FDP (63 Prozent) mehrheitlich glauben, dass der Zustand unserer Gesellschaft besser ist als der unserer Nachbarländer in Westeuropa, ist die Anhängerschaft der AfD in dieser Frage gespalten (besser: 31 Prozent, schlechter: 41 Prozent, kein Unterschied: 25 Prozent).
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Die Standardfragen (PDF, 107 KB)
Seite zuletzt geändert am 23.10.2026 um 07:57 Uhr

