Wahlanalyse Sachsen-Anhalt 2026
AfD-Rekordergebnis bei maximaler Polarisierung im Land
In einem politisch extrem polarisierten Bundesland basiert der AfD-Erfolg auf einem Mix aus allgemeiner Unzufriedenheit, AfD-Wertschätzung und inhaltlicher Überzeugung. Im AfD-Lager oft begleitet vom Gefühl der Benachteiligung und maximaler Distanz zu allen anderen politischen Akteuren, punktet die AfD mit ungewöhnlich viel Kompetenzzuspruch. Jenseits ihrer Anhängerschaft erwartet allerdings kaum jemand von der AfD faktisch bessere Politik. Würde die AfD regieren, wären 47 Prozent der Sachsen-Anhalter beängstigt, darunter 78 Prozent all derjenigen Bürger, die jetzt nicht AfD wählen wollten.
Überlagert war die Wahl in Sachsen-Anhalt von einer selten kritischen Grundstimmung: Erstmals in einem Flächenland wird die Arbeit aller parlamentarischen Kräfte negativ bewertet (+5/-5-Skala Regierung: CDU minus 0,7; SPD minus 1,1; FDP minus 1,6; Opposition: AfD minus 1,1; Linke minus 1,2; Grüne minus 1,7). Mit Ausnahme der AfD, die in Sachsen-Anhalt weit weniger kritisch gesehen wird als in anderen Bundesländern, haben alle Landesparteien heftige Imageverluste. Noch schlechter werden die Bundesparteien bewertet. Für die Bundesregierung (minus 2,2), Vizekanzler Lars Klingbeil (minus 1,7) und – allen voran – Bundeskanzler Friedrich Merz (minus 2,8) gibt es miserable Noten. Nach Ansicht von 83 Prozent aller Befragten „kümmern sich die da oben nicht um die Probleme der einfachen Bürger“.
Bei einer Wahl, bei der für die Mehrheit die Landespolitik wichtiger war (ausschlaggebend war die Politik im Land: 54 Prozent; im Bund: 38 Prozent), setzen zur Lösung der Probleme ungewöhnlich viele Befragte auf die AfD. Bei den Top-Themen „Wirtschaft“ und „Schule/Bildung“ liegt die AfD bei den Parteikompetenzen erstmals vor der CDU. Bei „Flüchtlinge/Asyl“ lässt die AfD alle anderen Parteien weit hinter sich – in einem Bundesland, in dem im AfD-Lager 92 Prozent (alle anderen: 53 Prozent) „bei uns zu viele Flüchtlinge“ beklagen und 78 Prozent (alle anderen: 47 Prozent) „zu viel Rücksicht der Politik auf gesellschaftliche Minderheiten“. Dass „Russland eine große Gefahr für den Westen“ ist, meinen im AfD-Lager dagegen nur 27 Prozent, aber 69 Prozent aller anderen Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt.
Beim Ansehen der Spitzenkandidaten wird Regierungschef Sven Schulze (CDU) auf der +5/-5-Skala mit durchschnittlich 0,1 nur knapp positiv eingestuft. Ulrich Siegmund (AfD) erreicht im Schnitt minus 0,3, wobei der AfD-Mann für eine nie dagewesene Polarisierung sorgt: Aus dem eigenen Lager kommt eine Bestnote, ansonsten wird Siegmund sehr häufig maximal kritisch gesehen. Als Ministerpräsidenten wollen 46 Prozent aller Befragten Sven Schulze, 38 Prozent sind für Ulrich Siegmund, darunter aber fast nur die AfD-Anhänger selbst.
Auch wenn die AfD in Sachsen-Anhalt auf breiter Front zulegen kann, ist sie bei Männern nochmals erfolgreicher als bei Frauen (49 bzw. 39 Prozent). Bei allen unter 60-Jährigen schafft sie 49 Prozent, in der Generation 60plus wählen dagegen 36 Prozent AfD. Extrem stark ist die AfD im Detail bei den 45- bis 59-jährigen Männern (56 Prozent) sowie bei den unter 35-Jährigen mit niedrigeren Bildungsabschlüssen (62 Prozent). Unter allen Befragten mit Hauptschulabschluss oder Mittlerer Reife (57 bzw. 53 Prozent) ist die AfD weitaus stärker als unter Sachsen-Anhaltern mit Abitur oder Hochschulabschluss (37 bzw. 24 Prozent).
Was die nächste Legislaturperiode betrifft, wird eine AfD-Alleinregierung mehrheitlich abgelehnt. Gegenüber einer Anti-AfD-Koalition aller anderen Parteien oder Minderheitsregierungen gibt es deutliche Vorbehalte. Vor die Wahl gestellt, sind 41 Prozent aller Befragten für eine AfD-geführte Regierung, 50 Prozent bevorzugen eine CDU-geführte Regierung, darunter neben 99 Prozent im CDU-Lager auch 87 Prozent der Linken-, 97 Prozent der SPD-, 99 Prozent der Grünen- und 57 Prozent der BSW-Anhänger. Höchst ambivalent werden die Folgen einer AfD-Regierung eingeschätzt: Während dies nach Ansicht von 88 Prozent der AfD-Anhänger für Sachsen-Anhalt gut wäre, befürchten 76 Prozent aller anderen Bürger negative Konsequenzen für ihr Bundesland, sollte dort zukünftig die AfD regieren.
Informationen zu den Umfragen
Seite zuletzt geändert am 07.09.2026 um 13:12 Uhr
