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Wahlanalyse Sachsen-Anhalt 2021

CDU mit Haseloff klar stärkste Partei vor der AfD – Landtagswahl kein Stimmungstest für den Bund

(Mannheim, 07.06.2021) Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt legt die CDU deutlich zu und schafft mit 37,1 Prozent (plus 7,4) ihr bestes Ergebnis in einem Bundesland seit über vier Jahren. Erst mit großem Abstand folgt die AfD, die nach Verlusten 20,8 Prozent (minus 3,4) erreicht. Linke (11,0 Prozent; minus 5,3) und SPD (8,4 Prozent; minus 2,2) fallen auf ihr jeweils schwächstes Ergebnis in Sachsen-Anhalt. Die Grünen können in ihrer ostdeutschen Diaspora nur ganz leicht auf 5,9 Prozent (plus 0,8) zulegen, die FDP schafft mit 6,4 Prozent (plus 1,6) den Einzug in den Landtag. Dagegen scheitern die Freien Wähler mit 3,1 Prozent (plus 1,0) klar an der Fünf-Prozent-Hürde, alle sonstigen Parteien erreichen zusammen 7,2 Prozent (plus 0,3). Die Wahlbeteiligung sinkt leicht und liegt jetzt bei 60,3 Prozent (minus 0,8).
CDU-Wahlsieg: starker MP und gute Regierungsarbeit
Ihren Wahlsieg verdankt die CDU dem klar besten Gesamtpaket: Während die anderen Parteien nur spezifische Stärken und kaum bekannte Spitzenkandidat/innen haben, punktet die CDU mit Parteiansehen, Regierungsarbeit und Sachkompetenz gerade beim Top-Thema Corona. Hinzu kommt ein präsenter und starker Ministerpräsident: Reiner Haseloff (CDU), dem 82 Prozent der Befragten gute Arbeit bescheinigen, erzielt beim Image auf der +5/-5-Skala mit 2,5 (2016: 1,3) im Land einen Rekordwert. 64 Prozent wollen Haseloff als Regierungschef und nur zehn Prozent Oliver Kirchner (AfD), der selbst in den eigenen Reihen nur mäßig Zugkraft entwickelt.
AfD: Plattform für Kritik und spezifische Ansichten
Dass die AfD dennoch stark abschneidet, liegt bei viel strukturellem Potenzial an einer Wählerschaft, die das politische Establishment und Handling der Corona-Krise sehr kritisch sieht, die sich oft benachteiligt fühlt und die zum Rechtsextremismus oder zu Ausländern sehr eigene Ansichten hat. Die AfD dient dabei als Kommunikationsplattform: Für 95 Prozent ihrer Wähler/innen nennt diese als „einzige Partei die wichtigen Probleme beim Namen“. Insgesamt glauben 19 Prozent aller Befragten, dass die AfD – wäre sie an der Regierung beteiligt – faktisch bessere Politik machen würde. (schlechtere: 60 Prozent; kein Unterschied: 13 Prozent).
Parteien: Große Unterschiede bei Image und Arbeit
Zu fehlendem Politikvertrauen kommt bei der AfD schlechtes Parteiansehen (+5/-5-Skala: minus 2,3), wobei die Distanz in Sachsen-Anhalt weit weniger groß ist als in westdeutschen Bundesländern. Wesentlich kritischer als im Westen werden die Grünen (minus 0,7) gesehen; Linke (0,1), SPD (1,0) und FDP (0,7) gelingt im Vergleich zu 2016 ein Imageplus. Die mit Abstand höchste Reputation genießt unter den Landesparteien die CDU (2,0), was sich auch mit ihrer Leistungsbilanz erklärt: Für ihre Arbeit in der schwarz-rot-grünen Koalition bekommt die CDU (erheblich) bessere Noten als SPD oder Grüne.
Wer wählte wen: CDU bei Älteren stark, AfD bei Männern
Das Fundament für den CDU-Erfolg legt einmal mehr die beteiligungsstarke Generation 60plus, wobei sich das symptomatische Altersgefälle nochmals verschärft: Bei den ab 60-Jährigen kommt die CDU auf 47 Prozent, bei den unter 30-Jährigen erreicht sie nur 18 Prozent. In letzterer Gruppe sind Grüne und FDP zweistellig und in der Summe auch die sonstigen Parteien stark. Die AfD punktet vor allem in den mittleren Altersgruppen, hinzu kommt ein massiver Gender-Gap: Unter Wählerinnen erreicht die AfD 16 Prozent, bei Wählern sind es 26 Prozent, wobei die AfD bei den 30- bis 59-jährigen Männern besonders viel Zuspruch erfährt.
Agenda: Viel Benachteiligung und wenig Klimawandel
Inhaltlich überzeugt die CDU beim Top-Thema „Corona“ ebenso wie bei „neue Jobs“, „Wirtschaft“ oder „Infrastruktur“. Relative Defizite hat sie – neben „Bildung und Schule“ – beim „Klimaschutz“. Allerdings gibt es für 74 Prozent in Sachsen-Anhalt „viel wichtigere Probleme als den Klimawandel“. Für 60 Prozent werden die „Ostdeutschen wie Bürger zweiter Klasse“ behandelt, um deren Interessen sich die Linke für 48 Prozent „nicht mehr genug kümmert“.
Bundespolitik: Eher wenig Einfluss
Im Land gut aufgehoben fühlen sich die Bürger in der Corona-Krise: Das Krisenmanagement der Landesregierung bewerten 65 Prozent positiv, das der Bundesregierung aber nur 47 Prozent. Die Kanzlerkandidaten spielten – trotz großer Unterschiede beim Image (+5/-5-Skala: Laschet 0,5, Scholz 1,3, Baerbock minus 1,0) – nur eine nachgeordnete Rolle, zumal die Landtagswahl für 76 Prozent „noch lange nichts über den Ausgang der Bundestagswahl aussagt“ und der bundespolitische Einfluss auch insgesamt etwas schwächer ausfällt als bei der letzten, von der Flüchtlingskrise überlagerten Landtagswahl.
Regierungsmodelle: keine Wunschkoalition und keine AfD
Letztendlich war für 37 Prozent (2016: 45 Prozent) der Wähler/innen die Bundespolitik entscheidend, aber für 55 Prozent (2016: 49 Prozent) die Politik in Sachsen-Anhalt. Hier wird als nächste Regierung ein CDU-AfD-Bündnis besonders häufig abgelehnt (gut/schlecht: 20 bzw. 72 Prozent).
Viel Distanz gibt es auch gegenüber einer „Jamaika“-Koalition aus CDU, FDP und Grünen (20 bzw. 62 Prozent), eine erneute „Kenia“-Koalition aus CDU, SPD und Grünen wird mehrheitlich ebenfalls nicht gewollt (33 bzw. 51 Prozent). Das Novum einer CDU-SPD-FDP-Koalition würde eher polarisieren (40 bzw. 36 Prozent) – in einem Bundesland, in dem bei gewohnt schwierigen Mehrheitsverhältnissen unkonventionelle Bündniskonstellationen fast schon zur Tradition gehören.

Informationen zu den Umfragen

Die Zahlen basieren auf einer telefonischen Befragung der Forschungsgruppe Wahlen unter 1.471 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt in der Woche vor der Wahl sowie auf der Befragung von 15.788 Wähler/innen am Wahltag.
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Seite zuletzt geändert am 07.06.2021 um 13:13 Uhr

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