Zum Inhalt / Navigation überspringen

Wahlanalyse Baden-Württemberg 2021

Grüne bauen Vorsprung aus – Historische Niederlage für die CDU

(Mannheim, 15.03.2021) Bei der 17. Landtagswahl in Baden-Württemberg können die Grünen nach ihrem Rekordergebnis von 2016 nochmals zulegen und kommen auf 32,6 Prozent (plus 2,3). Die CDU mit 24,1 Prozent (minus 2,9) und die SPD mit 11,0 Prozent (minus 1,7) fallen auf ein neues historisches Tief, die AfD verliert ebenfalls (minus 5,4) und kommt auf 9,7 Prozent, die FDP erzielt 10,5 Prozent (plus 2,2), die Linke 3,6 Prozent (plus 0,7) und die Freien Wähler 3,0 Prozent (plus 2,9). Die Wahlbeteiligung sinkt auf 63,8 Prozent (minus 6,6).
Die Wahl in Baden-Württemberg hat gezeigt, dass die Grünen hier längst in der politischen Mitte angekommen sind. Die Unterstützung aus inzwischen weiten Bevölkerungsteilen beruht dabei auf sehr guten Noten für ihre Regierungsarbeit und ihr Parteiansehen; hinzu kommt als überragender Faktor der Spitzenkandidat: Winfried Kretschmann, dem 81 Prozent aller Baden-Württemberger/innen eine gute Arbeit bescheinigen, verkörpert wie kaum ein anderer den idealtypischen Landesvater.
Der grüne Ministerpräsident genießt eine lagerübergreifend hohe Reputation. Mit einem beeindruckend hohen Imagewert von 2,5 auf der +5/-5-Skala wünschen sich 70 Prozent aller Befragten Kretschmann als Ministerpräsidenten, darunter auch die meisten CDU-Anhänger (56 Prozent). Lediglich insgesamt 13 Prozent sprechen sich für Susanne Eisenmann als Regierungschefin aus, die mit minus 0,2 einen der schlechtesten Ansehenswerte von CDU-Kandidat/innen bei Landtagswahlen verzeichnet.
In Bezug auf ihre Leistung steht die grün-schwarze Landesregierung im Quervergleich mit anderen Bundesländern sehr gut da (+5/-5-Skala: 1,5). Bei einem regierungsinternen Gefälle liegt die CDU (0,9) dabei zwar sichtbar hinter den Grünen (1,4), bekommt aber deutlich bessere Noten als SPD (0,1), FDP (0,3) oder AfD (minus 3,1) in der Opposition.
Zur Leistungsbilanz in der Regierung kommt bei den Grünen ein selten gutes Parteiansehen, das als Landespartei (1,8) deutlich höher ausfällt als für die Bundespartei (1,1). Gerade umgekehrt verhält es sich bei der CDU, die mit einem nur noch bescheidenen Image als Partei in Baden-Württemberg (0,7) klar schlechter bewertet wird denn als Bundespartei (1,1). Gute Voraussetzung für die Grünen und schlechte für die CDU, da für 63 Prozent die Landespolitik wichtiger für ihre Wahlentscheidung war als die Politik im Bund.
Nach Kandidat, politischer Arbeit und Ansehen erklärt sich der Erfolg der Grünen mit einer untypisch hohen Kompetenzzuschreibung: In früheren CDU-Domänen wie Wirtschaft oder Bildung wird den Grünen ähnlich viel zugetraut wie der CDU. Neben einem überragenden Zuspruch beim „Klimaschutz“ führen die Grünen bei „Zukunft“ oder „Ausländer“ sowie beim dominierenden Thema Corona: Trotz viel Kritik am Krisenmanagement in Baden-Württemberg gerade beim Impffortschritt oder im Bereich Schulen gelten die Grünen in Sachen Corona als kompetenteste Partei. Die SPD wird lediglich in den Bereichen Bildung, Verkehr und Ausländer etwas häufiger genannt, ansonsten bleibt sie genau wie FDP oder AfD sachpolitisch schwach.
Erneut unter Hochgebildeten und in Großstädten besonders erfolgreich, sind die Grünen nun in allen Altersgruppen stärkste Partei und kommen bei der eher beteiligungsstarken Gruppe der Wähler/innen ab 60 Jahren mit einem Plus von acht Prozentpunkten auf 36 Prozent. Die CDU hat bei den Wähler/innen unter 45 Jahren etwas stärkere Einbußen. Die AfD verliert ebenfalls viel Zustimmung bei den unter 45-Jährigen, umgekehrt gewinnt die FDP hier klar überdurchschnittlich. Bei Frauen werden die Grünen deutlich erfolgreicher (37 Prozent) als bei Männern (30 Prozent).
Was die Koalitionsfrage anbelangt, wird Grün-Schwarz mehrheitlich positiv (gut: 44 Prozent, schlecht: 34 Prozent) und Grün-Rot ambivalent (40/41 Prozent) gesehen, eine Ampel aus Grünen, SPD und FDP wird abgelehnt (28/51 Prozent). Während nur 37 Prozent generell eine CDU-geführte Koalition bevorzugen, möchten 54 Prozent weiter eine Grünen-geführte Landesregierung. Das alles in einem Bundesland, in dem eine über Jahrzehnte dominierende CDU in der Mitte weite Räume freigegeben hat, und sich so die Strukturen im Land inzwischen zugunsten personell wie inhaltlich überzeugender Grünen verfestigt haben.

Informationen zu den Umfragen

Die Zahlen basieren auf einer telefonischen Befragung der Forschungsgruppe Wahlen unter 1.154 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten in Baden-Württemberg in der Woche vor der Wahl sowie auf der Befragung von 13.928 Wähler/innen am Wahltag.
Weitere Grafiken auf heute.de

zum Seitenanfang

Seite zuletzt geändert am 15.03.2021 um 16:15 Uhr

zum Seitenanfang