Wahlanalyse Baden-Württemberg 2026
Klares Votum für Kontinuität – Grüne vor erstarkter CDU
Bei einer klar landespolitisch geprägten Wahl liegen die Gründe für das Ergebnis primär in Baden-Württemberg selbst: Bei Strukturvorteilen und einer hier großen Kernklientel punkten die Grünen mit gutem Ansehen und ihrem Spitzenkandidaten. Hinzu kommt der Wunsch nach politischer Stabilität, von dem neben den Grünen auch die CDU profitiert. Dass die CDU trotz eines blassen Kandidaten und ohne Rückenwind aus Berlin zulegt, verdankt sie auch der Rückkehr vieler eher älterer Wähler und einem Vertrauensplus bei den (Top-)Themen Wirtschaft, Bildung und Zukunft. SPD und FDP leiden unter der schwarz-grünen Zuspitzung, zeigen aber auch große eigene Defizite. Die AfD wird politisch nicht als Alternative wahrgenommen.
Im Bereich Wirtschaft – für die Bürger klar größtes Problem – setzen jetzt 35 Prozent (plus sechs Prozentpunkte im Vgl. zu 2021) auf die Politik der CDU und 17 Prozent (minus fünf) auf die der Grünen. Auch wenn für 69 Prozent der Befragten Baden-Württemberg wirtschaftlich besser dasteht als die anderen westdeutschen Länder, werden Wirtschaftslage (gut: 15 Prozent, minus 28) und Zukunftsvorbereitung (gut: 44 Prozent, minus 20) des Landes weit weniger gut beurteilt als vor fünf Jahren. Zwar geht es den meisten Befragten privat finanziell gut, speziell im AfD-Lager gibt es aber auch weit überproportional große ökonomische Abstiegsängste.
Beim zweitwichtigsten Thema „Bildung/Schule“ liegt die CDU ebenfalls vorne, „Klimaschutz“ ist unangefochten eine Grünen-Domäne. Symptomatisch bleibt bei den Grünen aber vor allem ihre erfolgreiche Entkopplung vom Bund: Wenngleich weit entfernt von ihrem Top-Image früherer Jahre, haben die Baden-Württemberg-Grünen ein besseres Ansehen (+5/-5-Skala: 0,9) als die grüne Bundespartei (0,0). Für 54 Prozent stehen die Grünen „in Baden-Württemberg für eine andere Politik als im Bund“. Beim CDU-Ansehen gibt es kein Land-Bund-Gefälle (0,7 bzw. 0,6) – bei schlechten Noten für die Bundesregierung (minus 0,7) sowie den Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz (minus 0,3) aber auch keinen bundespolitischen Rückenwind.
Das Kapitel Spitzenkandidaten geht an die Grünen: Cem Özdemir erreicht beim Ansehen auf der +5/-5-Skala die gute Note 1,2, Manuel Hagel (CDU) liegt bei 0,8 und Markus Frohnmaier (AfD) bei minus 2,1. Für 56 Prozent der Befragten hat Özdemir das Zeug zum Ministerpräsidenten. 49 Prozent sehen diese Eignung bei Hagel, der im direkten Vergleich bei „Sachverstand“ und „Sympathie“ dann aber klar hinter Özdemir liegt. Vor der Entscheidung zwischen den Spitzenkandidaten von Grünen und CDU wünschen sich 46 Prozent Cem Özdemir als nächsten Ministerpräsidenten, 33 Prozent sind für Manuel Hagel (keinen davon: acht Prozent, weiß nicht: 13 Prozent).
Gewählt wird die AfD nach Ansicht von 32 Prozent aller Befragten wegen ihrer „politischen Forderungen“, 62 Prozent meinen dagegen „als Denkzettel“. Wie gewohnt bewertet die AfD-Wählerschaft Regierung und Protagonisten in Bund und Land extrem kritisch, die AfD kann selbst jedoch fast nirgendwo richtig liefern: Viel Kompetenzzuspruch erhält sie nur beim Thema „Flüchtlinge/Asyl“, das bei dieser Wahl aber eine Nebenrolle spielt.
Ein zentraler Faktor für das starke Grünen-Ergebnis bleibt die generationsübergreifende Unterstützung: Neben 29 Prozent bei allen unter 60-Jährigen sind die Grünen mit 32 Prozent auch in der großen und beteiligungsstarken Gruppe der ab 60-Jährigen sehr erfolgreich. Stärkste Partei wird hier mit 38 Prozent (plus neun) jetzt aber die CDU, die sich zudem bei den 45- bis 59-Jährigen mit 31 Prozent (plus acht) deutlich verbessert. Bei den unter 30-Jährigen liegen die Grünen klar vor AfD und CDU (28, 20 bzw. 17 Prozent), die Linke ist hier mit 12 Prozent relativ stark. Während mehr Frauen als Männer die Grünen wählen (33 bzw. 28 Prozent), ist die AfD unter Männern weitaus stärker als unter Frauen (22 bzw. 16 Prozent).
Was die nächste Koalition betrifft, gibt es trotz rückläufiger Regierungsperformance den meisten Zuspruch für eine grün-schwarze Neuauflage. Allerdings hat sich der Ruf nach einer CDU-Regierungsführung deutlich verstärkt. Ein CDU-AfD-Bündnis wird klar abgelehnt; nur 19 Prozent glauben, dass ein AfD-Mitregieren zu besserer Politik führen würde. So war die Landtagswahl in einem ökonomisch angespannten Umfeld auch ein Votum für politische Stabilität, aber mit etwas mehr CDU-Gewicht.
Informationen zu den Umfragen
Seite zuletzt geändert am 09.03.2026 um 11:26 Uhr
