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Wahlanalyse Rheinland-Pfalz 2021

SPD dank Malu Dreyer klar stärkste Partei – CDU-Desaster auch in Rheinland-Pfalz

(Mannheim, 15.03.2021) In Rheinland-Pfalz bleibt die SPD auch nach 30 Jahren stärkste Partei: Bei den Landesstimmen erzielen sie ein Ergebnis von 35,7 Prozent (minus 0,5 Prozentpunkte). Die CDU kommt auf 27,7 Prozent (minus 4,1) und fällt damit genau wie bei der zeitglich stattfindenden Landtagswahl in Baden-Württemberg auf ein Rekordtief. Die Grünen werden nach deutlichen Zuwächsen mit 9,3 Prozent (plus 4,0) drittstärkste Partei, die AfD rutscht auf 8,3 Prozent (minus 4,3) und die FDP auf 5,5 Prozent (minus 0,7). Die Freien Wähler schaffen es mit 5,4 Prozent (plus 3,2) erstmals in den rheinland-pfälzischen Landtag, wogegen die Linke mit 2,5 Prozent (minus 0,3) erneut klar an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert. Die sonstigen Parteien erreichen zusammen 5,7 Prozent (plus 2,9). Die Wahlbeteiligung sinkt auf 64,4 Prozent (minus 6,0).
Bei einer mehr landespolitisch geprägten Wahl punktet die SPD in Rheinland-Pfalz mit Parteiansehen, Regierungsarbeit und Sachkompetenz vor allem beim Thema Corona. Ihr stärkstes Zugpferd bleibt Malu Dreyer, die mit Top-Werten bei Leistung (gute Arbeit: 76 Prozent) und Image (+5/-5-Skala: 2,3) zu den beliebtesten Ministerpräsident/innen zählt. Entsprechend möchten 57 Prozent der Rheinland-Pfälzer/innen Malu Dreyer wieder als Regierungschefin. 30 Prozent wollen in diesem Amt lieber CDU-Herausforderer Christian Baldauf, der mit mäßigem Ansehen (+5/-5-Skala: 1,1) außerdem das Niveau der letzten CDU-Kandidatin Julia Klöckner (2016: 1,4) verfehlt.
Eher blass bleibt die Rheinland-Pfalz-CDU auch bei Reputation und politischer Arbeit. Während für 35 Prozent der Wähler/innen der Bund, aber für 59 Prozent die Landespolitik wichtiger war, liegt die – auch schon vor der Masken-Affäre vergleichsweise schwache – Landes-CDU beim Ansehen hinter der Bundespartei (Land: 0,9; Bund: 1,3). Bei der SPD ist das umgekehrt (Land: 2,0; Bund: 1,1), wobei sich die seit Jahren hohe Vor-Ort-Wertschätzung neben dem Spitzenpersonal auch mit politischer Arbeit erklärt.
So geht die gute Gesamtbilanz der Ampel-Koalition (+5/-5-Skala: 1,3) eindeutig auf das Konto der SPD (1,5). FDP (0,5) und Grüne (0,4) fallen regierungsintern dagegen weit ab. In der Opposition bleibt die CDU leistungsbezogen mäßig positiv (+5/-5-Skala: 0,8), kämpft aber mit sinkenden Kompetenzwerten in den Bereichen Wirtschaft, Verkehr, Bildung oder Zukunft. Die SPD verliert in diesen Politikfeldern ebenfalls, profiliert sich aber beim Top-Thema Corona, wo sie politisch in der Bevölkerung das eindeutig meiste Vertrauen genießt.
Während 57 Prozent aller Befragten mit dem Corona-Krisenmanagement in Rheinland-Pfalz zufrieden sind, wird die generelle Krisenstrategie ambivalent diskutiert: 50 Prozent aller Befragten - und Mehrheiten im SPD-, CDU- und Grüne-Wählerlager – befürworten zur Senkung der Infektionszahlen einen restriktiven Kurs, wogegen 42 Prozent zur Stärkung der Wirtschaft weitgehende Lockerungen fordern, darunter besonders viele AfD-, FDP- und FW- Wähler/innen, die alle auch der Bundesregierung distanziert-kritisch begegnen.
Beim Parteiansehen bleiben FDP (0,0), Grüne (0,3) und Freie Wähler (0,6) blass. Dafür kann die FDP in den Bereichen Wirtschaft und Verkehr etwas punkten; die Grünen gelten neben ihrer Domäne Klimaschutz ebenfalls häufiger verkehrspolitisch als kompetent. Die AfD hat anders als 2016 kein ertragreiches Thema, dafür aber ein massives Imageproblem (minus 3,4) als eine Partei, in der 78 Prozent der Befragten rechtsextremes Gedankengut weit verbreitet sehen.
Die Grundlage für den SPD-Wahlsieg legt erneut die Generation 60-Plus: In dieser Gruppe wählen 43 Prozent (plus drei) die SPD, bei allen unter 60-Jährigen kommt die SPD auf 32 Prozent (minus zwei). Die CDU verliert bei den ab 60-Jährigen, bleibt aber mit 35 Prozent (minus fünf) noch überdurchschnittlich. Bei den unter 30-Jährigen wird die CDU (16 Prozent; minus neun) nun auch in Rheinland-Pfalz von den Grünen überholt (18 Prozent; plus neun), die aber anders als im benachbarten Baden-Württemberg in der großen Gruppe der ab 60-Jährigen mit nur fünf Prozent (plus drei) ausgesprochen schwach bleiben.
SPD und Grüne sind bei Frauen etwas erfolgreicher als bei Männern, bei AfD und FDP ist dies umgekehrt; bei CDU und Freien Wählern gibt es praktisch keine geschlechtsspezifischen Unterschiede.
Als zukünftiges Regierungsmodell erzielt Rot-Grün (gut 41 Prozent/schlecht 39 Prozent) mehr Akzeptanz als Rot-Schwarz (36/42 Prozent), eine Ampel (29/47 Prozent) oder „Jamaika“ (25/51 Prozent). Generell bevorzugen 36 Prozent ein CDU-, aber 51 Prozent ein SPD-geführtes Kabinett. Neben dem klaren Votum für Malu Dreyer zeigt dies den Wunsch nach politischer Stabilität bei einer Landtagswahl unter Pandemie-Bedingungen – in einem Bundesland, das mit spezifischen Parteistärken und seiner eigenen politischen Kultur zum Superwahljahr-Auftakt kaum Indikatorfunktion für den Bund besitzt.

Informationen zu den Umfragen

Die Zahlen basieren auf einer telefonischen Befragung der Forschungsgruppe Wahlen unter 1.117 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten in Rheinland-Pfalz in der Woche vor der Wahl sowie auf der Befragung von 11.129 Wähler/innen am Wahltag.
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Seite zuletzt geändert am 15.03.2021 um 16:16 Uhr

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