Politbarometer August 2025
Deutsche blicken skeptisch auf Treffen zwischen Trump und Putin – Große Mehrheit befürwortet Teil-Stopp von Waffenlieferungen an Israel
Bei dem Treffen zwischen Trump und Putin könnten mit Blick auf eine Waffenruhe auch mögliche Gebietsabtretungen der Ukraine an Russland eine Rolle spielen. Hier ist die Bevölkerung gespalten: 42 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, dass die Ukraine auf einen Teil ihres von Russland besetzten Staatsgebiets verzichtet, wenn dadurch der Krieg beendet werden kann. Ähnlich viele (45 Prozent) sind hingegen der Meinung, die Ukraine sollte weiter für die Befreiung dieser Gebiete kämpfen.
Das militärische Vorgehen Israels gegen die Hamas im Gazastreifen, das eine hohe Zahl ziviler Opfer fordert, halten gut drei Viertel (76 Prozent) der Wahlberechtigten für nicht gerechtfertigt, 13 Prozent sind gegenteiliger Ansicht. Folglich fordert mit 62 Prozent eine Mehrheit, dass Deutschland politisch mehr Druck auf Israel ausübt, um den Krieg zu beenden (nicht mehr Druck: 30 Prozent). Eine der diskutierten Optionen, die Anerkennung Palästinas als eigenständigen Staat, wird von 60 Prozent der Befragten befürwortet, 22 Prozent lehnen das ab. Zudem finden es mehr als vier Fünftel (83 Prozent) aller Befragten und Mehrheiten über Parteigrenzen hinweg richtig, wenn Deutschland Israel keine Waffen mehr liefert, die im Gazastreifen eingesetzt werden können (nicht richtig: 10 Prozent). Bundeskanzler Merz hatte diesen Teil-Stopp von Waffenexporten angekündigt, nachdem die israelische Regierung vergangene Woche eine Ausweitung der Militäroffensive in Gaza bekannt gegeben hatte.
Innenpolitisch brisant ist das Thema Rente: Mit 94 Prozent sagen fast alle Befragten, dass es bei der gesetzlichen Rentenversicherung in Zukunft große oder sehr große Probleme geben wird (keine großen Probleme: 5 Prozent). Dass die Bundesregierung einen wichtigen Beitrag zur Lösung dieser Probleme leisten wird, glauben aber lediglich 24 Prozent der Befragten. 72 Prozent, darunter mehrheitlich auch die Anhänger von CDU/CSU (52 Prozent) und SPD (60 Prozent), haben in diesem Bereich kein Vertrauen in die Regierung. Hinsichtlich der zukünftigen Finanzierung der Renten sind 17 Prozent für höhere Rentenbeiträge der Berufstätigen, 20 Prozent für ein späteres Renteneintrittsalter, 32 Prozent plädieren für langsamer steigende Renten und knapp ein Drittel (31 Prozent) antwortet hier mit „weiß nicht“.
Die Streitigkeiten zwischen Union und SPD hinterlassen Spuren: Nach 100 Tagen Schwarz-Rot ist nur eine Minderheit von 32 Prozent der Deutschen der Meinung, CDU/CSU und SPD würden in der Bundesregierung eher gut zusammenarbeiten, 61 Prozent, darunter auch 41 Prozent der CDU/CSU- und 47 Prozent der SPD-Anhänger, glauben das nicht. Anfang Mai, also wenige Tage vor dem Start der neuen Regierung, erwartete noch eine knappe Mehrheit von 51 Prozent eine gute Kooperation innerhalb der Koalition.
Das negative Urteil über die Zusammenarbeit zwischen Union und SPD hat aber aktuell keine Auswirkungen auf die Projektion. Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, käme die CDU/CSU unverändert auf 27 Prozent, die AfD würde sich leicht auf 23 Prozent (minus 1) verschlechtern. Die SPD bliebe bei 15 Prozent (unverändert), die Grünen könnten sich auf 12 Prozent (plus 1) verbessern. Die Linke stünde erneut bei 11 Prozent, das BSW und die FDP könnten nach wie vor mit jeweils 3 Prozent (alle unverändert) rechnen. Alle anderen Parteien erhielten zusammen 6 Prozent (unverändert), darunter keine Partei, die mindestens drei Prozent erzielen würde. Mit diesem Ergebnis hätte Schwarz-Rot weiterhin keine parlamentarische Mehrheit.
Bei der Beurteilung von Politikerinnen und Politikern nach Sympathie und Leistung („Was halten Sie von?“) führt Verteidigungsminister Boris Pistorius das Ranking weiterhin an. Er wird auf der Skala von +5 bis -5 mit einem Durchschnittswert von 2,1 (hier und im Folgenden Vergleichswert von Ende Juli: 2,0) eingestuft. Mit Abstand folgen Johann Wadephul mit 0,6 (0,4), Neueinsteigerin Bärbel Bas mit 0,5 und Lars Klingbeil, der erneut mit 0,2 (0,2) bewertet wird. Danach kommen – bereits im Negativbereich – Friedrich Merz mit minus 0,1 (0,1), Neuzugang Heidi Reichinnek mit minus 0,4, Markus Söder mit minus 0,5 (minus 0,3) und Alexander Dobrindt mit ebenfalls minus 0,5 (minus 0,5). Auf dem neunten Platz liegt Sahra Wagenknecht mit minus 1,9 (minus 1,9). Schlusslicht bleibt Alice Weidel mit minus 2,7 (minus 2,4).
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Seite zuletzt geändert am 14.08.2025 um 10:02 Uhr

