Politbarometer September II 2025
Projektion: Union und AfD erstmals gleichauf – Bundeshaushalt: Knappe Mehrheit für Aufnahme sehr hoher Schulden
Die CDU lehnt eine politische Zusammenarbeit mit der AfD grundsätzlich ab. Dies begrüßt eine Mehrheit von 63 Prozent der Befragten, darunter 74 Prozent der Unions-Anhänger. Nicht richtig finden das insgesamt 34 Prozent (Unions-Anhänger: 24 Prozent) (Rest zu 100 Prozent hier und im Folgenden jeweils „weiß nicht“). Zudem erwarten etwas mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) und rund zwei Drittel der Unions-Anhänger (67 Prozent), dass die CDU auf Bundesebene auch zukünftig nicht mit der AfD zusammenarbeiten wird, insgesamt 42 Prozent (Unions-Anhänger: 28 Prozent) zweifeln daran.
Trotz der gewachsenen Unterstützung für die AfD rechnet nur eine Minderheit von 21 Prozent mit einer besseren Politik, wenn sie im Bund mitregieren würde. 60 Prozent gehen in diesem Fall von einer schlechteren Politik aus und für 16 Prozent würde eine AfD-Regierungsbeteiligung keinen großen Unterschied machen. Auch wird die AfD nach Meinung einer Mehrheit der Deutschen (60 Prozent) aus Protest gewählt, 34 Prozent erklären sich den Zuspruch zu dieser Partei mit der Unterstützung ihrer politischen Forderungen. Im eigenen Lager fällt die Einschätzung hingegen etwas anders aus: Nach 48 Prozent im Oktober 2023 sagen jetzt 65 Prozent der AfD-Anhänger, dass die AfD aus Überzeugung gewählt wird, nur ein Drittel (33 Prozent; Oktober 2023: 50 Prozent) spricht von einem Denkzettel für die anderen Parteien.
Der Bundestag hat am Donnerstag den Haushalt für 2025 verabschiedet, der die Aufnahme sehr hoher Schulden vorsieht. 52 Prozent der Deutschen, darunter besonders viele CDU/CSU-, SPD-, Grünen- und Linke-Anhänger, finden die Aufnahme dieser sehr hohen Schulden angesichts der aktuellen Herausforderungen richtig, 42 Prozent finden das nicht richtig. Geht es ganz allgemein darum, wie zusätzliche finanzielle Mittel für die Umsetzung verschiedener Regierungsvorhaben aufgebracht werden sollten, spricht sich eine Mehrheit von 56 Prozent für Ausgabenkürzungen aus, 24 Prozent plädieren für höhere Steuern und 12 Prozent für zusätzliche Schulden. Nicht gespart werden sollte jedoch nach mehrheitlicher Ansicht der Befragten bei der Bildung, der Verkehrsinfrastruktur und der Bundeswehr: 88 Prozent fordern, dass zukünftig mehr Geld im Bereich Bildung und Schule ausgegeben wird (weniger: 1 Prozent; unverändert: 11 Prozent), 68 Prozent befürworten höhere Ausgaben bei der Verkehrsinfrastruktur (weniger: 6 Prozent; unverändert: 24 Prozent) und 58 Prozent bei der Bundeswehr (weniger: 12 Prozent; unverändert: 27 Prozent). Im Bereich Soziales sehen hingegen nur 40 Prozent einen erhöhten Finanzbedarf, 23 Prozent sind hier für weniger Geld und 34 Prozent für den Status Quo.
Bei der Beurteilung von Politikerinnen und Politikern nach Sympathie und Leistung („Was halten Sie von?“) liegt Verteidigungsminister Boris Pistorius weiterhin auf Rang eins. Er wird auf der Skala von +5 bis -5 mit einem Durchschnittswert von 1,8 (hier und im Folgenden Vergleichswert von Anfang September: 2,0) bewertet. Mit großem Abstand folgt wie zuletzt Johann Wadephul mit 0,6 (0,7), danach kommen Bärbel Bas mit 0,0 (0,5) und Lars Klingbeil ebenfalls mit 0,0 (0,4), beide deutlich verschlechtert. Auf Rang fünf steht Friedrich Merz mit minus 0,2 (0,0), dahinter finden sich Alexander Dobrindt mit minus 0,6 (minus 0,5), Markus Söder mit minus 0,7 (minus 0,4) und Wiedereinsteiger Robert Habeck auch mit minus 0,7. Auf dem neunten Platz ist erneut Sahra Wagenknecht mit minus 1,9 (minus 1,9). Schlusslicht bleibt Alice Weidel mit minus 2,4 (minus 2,4).
Die Sorgen vor einem russischen Angriff auf östliche NATO-Länder wie Polen oder die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen erreichen ein Rekordniveau: Erstmals glaubt mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent), dass es zu einem solchen Angriff durch Russland kommen wird, 39 Prozent, darunter 51 Prozent der Ostdeutschen, bezweifeln das. Außerdem meinen insgesamt 81 Prozent, dass Russland vor wenigen Tagen absichtlich mit einer größeren Zahl von Kampfdrohnen in polnischen Luftraum eingedrungen ist (aus Versehen: 12 Prozent). Auf russische Provokationen wie diese sollte die NATO nach Ansicht von 47 Prozent der Befragten mit mehr militärischer Stärke reagieren, ähnlich viele (44 Prozent) lehnen das ab, darunter mit 51 Prozent eine Mehrheit im Osten der Bundesrepublik.
Das militärische Vorgehen Israels gegen die Hamas im Gazastreifen, das eine hohe Zahl von Opfern in der palästinensischen Zivilbevölkerung fordert, trifft in der deutschen Bevölkerung auf starke Kritik: Mit 83 Prozent halten so viele Befragte wie noch nie den israelischen Militäreinsatz für nicht gerechtfertigt, 10 Prozent sind gegenteiliger Meinung.
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Seite zuletzt geändert am 19.09.2025 um 08:03 Uhr

